zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 14. November 2016

Steirischer Gesundheitsplan 2035: Je ein Leitspital in jeder Region

Bei der Präsentation des Steirischen Gesundheitsplan 2035 im Rahmen des "2. Dialogtages" in Graz gab es kaum Überraschungen: Die in Medien kursierenden Überlegungen von je einem Leitspital in jeder der sieben steirischen Regionen wurde von Politik und Gesundheitsfonds bestätigt. Laut Gesundheitsplan soll es bis 2035 in mehreren Schritten ein aus fünf Elementen ineinandergreifendes System geben.

Grundsätzlich ist vorgesehen, in sechs steirischen Regionen ein Leitspital zu haben. Der Zentralraum als siebente Region mit der Landeshauptstadt Graz ist ein Sonderfall, hier soll es drei Spitäler geben. Derzeit hat die Steiermark 15 Spitäler, die mit den "Außenstellen" 23 Standorte ergeben.

Künftiger erster Schritt in der Gesundheitsversorgung soll das 24 Stunden täglich besetzten "Gesundheitstelefon" sein. Medizinisches Fachpersonal beantwortet Fragen und kann gegebenenfalls weitere Schritte einleiten. Ziel: Der unnötige Weg ins Krankenhaus etwa bei nur kleinen Beschwerden soll vermieden werden. Dann folgt in der Behandlungs-Pyramide das Gesundheitszentrum (GSZ), besetzt mit 3 bis 5 Allgemeinmedizinern. Dazu kommt diplomiertes Krankenpflegepersonal sowie Ordinationshilfen. Diese GSZ sollen zentrale medizinische Anlaufstellen sein. Unnötige Wege, Fehlzuweisungen sollen vermieden werden. In den GSZ können auch längere Therapien gemacht werden. Im Bedarfsfall kann ein Patient an einen Facharzt oder ein Leitspital weiter überwiesen werden.

Beim Facharzt oder noch besser Facharztzentrum erfolgte die spezielle Versorgung. In einem Leitspital - je eines in einer Region - sollen Kompetenzen gebündelt und ein breites medizinisches Angebot gegeben werden. Dazu kommt die Notfallversorgung rund um die Uhr.

Harald Gaugg vom Gesundheitsfonds Steiermark skizzierte die Vorteile des geplanten Systems, das bis 2035 in mehreren, langsamen Schritten realisiert werden soll. Das System mit den zum Teil nur wenig voneinander entfernten Krankenhäusern sei "über 100 Jahre alt, das Verkehrsmittel damals war die Postkutsche". Lange Krankheitszeiten habe es auch nicht gegeben, die Menschen seien vorher gestorben. "Es geht es um Erreichbarkeit, um ein System kongruent zu unseren Krankheitsbildern". Die erste Versorgungsstufe mit den Gesundheitszentren biete erweiterte Öffnungszeiten, Hausbesuche unterstützt von Pflegepersonal, lebenslange Betreuung und Drehscheiben für Vernetzung mit anderen Versorgungspartnern.

Die Kardinalsfrage, wie viele GSZ es nun wo geben werden, wurde leider nicht beantwortet: "Es ist nicht möglich, dies zum jetzigen Zeitpunkt zu sagen. Der Aufbau hängt von Geografie, Demografie und der Bereitschaft der Ärzte zum Zusammenschluss ab". Man müsse bedenken, 2015 gab es rund 60 Prozent Haus- und Landärzte im Alter zwischen 60 bis 65. Schon deshalb sei man zu GSZ gezwungen, hier könnten mehr Menschen behandelt werden als durch Einzelärzte.

In der zweiten Versorgungsstufe rangiere der klassische Facharzt, die Facharztzentren und das Leitspital. In letzteren gebe es ein breites Fächerspektrum und gute technische Ausstattung. Gaugg nannte als Beispiel die obersteirische Region Liezen: Ein Facharztzentrum für Interne Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Orthopädie und Radiologie geselle sich zu einem Leitspital mit Betten, mit den Abteilungen Interne Medizin, Akutgeriatrie/Remobilisation, Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Palliativ. Dazu komme noch ein Spital ohne Betten mit den Abteilungen Kinderheilkunde, Neurologie, Radiologie, Urologie und HNO. Im größten Bezirk Österreich (gleichzeitig eine Region) befinden sich derzeit das LKH Bad Aussee, das LKH Rottenmann und das Diakonissenkrankenhaus Schladming.

Gaugg sagte, an diesem Beispiel sehe man, was bei Zusammenführen von Einheiten möglich sei. Bis 2020 würden auf Basis eines 15a-Vertrags für GSZ 200 Mio. Euro aufgewendet, davon elf bis 2020 für die Steiermark. "Zu diesem Weg gibt es wenig Alternativen, wir müssen ihn gemeinsam mit Bevölkerung gehen", so Gaugg.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben