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APA-Artikel 18. Oktober 2016

Gesundheit - Umfrage: 95 Prozent für Erhalt des Hausarztes

Die Österreicher wollen auch künftig den Hausarzt konsultieren und können mit dem Begriff "Primary Health Care (PHC) - Zentren" wenig anfangen. Gleich 95 Prozent forderten in einer Umfrage der Wiener Ärztekammer, dass der klassische Hausarzt unbedingt erhalten bleiben muss, hieß es am Montag in einer Pressekonferenz. Überhaupt hört nach Ansicht der Befragten die Politik zu wenig auf die Ärzte.

Im Rahmen einer Umfrage wurden zwischen 20. September und 4. Oktober 1.000 Personen vom Meinungsforschungsinstitut Peter Hajek Public Opinion Strategies befragt. Dabei wurde erörtert, was den Österreichern bei der Gesundheitsversorgung wichtig ist, wie sie den Hausarzt und PHC-Zentren bewerten und wie es überhaupt um das österreichische Gesundheitssystem bestellt ist.

Was das letztere anbelangt, so wird dies kritisch gesehen. Zwar empfindet noch die Mehrheit der Befragten (46 Prozent), dass sich das österreichische Gesundheitssystem in die richtige Richtung entwickelt, aber nicht viel weniger (41 Prozent) empfinden genau das Gegenteil. "Auch die Patienten sehen, hier wird seit Jahren ein gesundes System heruntergefahren", analysierte Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien sowie der Österreichischen Ärztekammer.

Groß scheint - zumindest laut Umfrage - auch das Verständnis für Protestmaßnahmen der Ärzte, wie dies zuletzt in Wien der Fall war: Drei von vier Österreichern teilen die Sorgen der Mediziner, in Wien antworteten sogar 53 Prozent auf eine diesbezügliche Frage mit "ja, sehr".

Bestärkt in ihren Ansinnen und Forderungen fühlt sich die Interessensvertretung der Mediziner auch durch weitere Ergebnisse der Umfrage. So wird der klassische Hausarzt als extrem wichtig empfunden. "Die Patienten wünschen sich mehr niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Der Hausarzt ist dabei fast schon sakrosankt. So einen Vertrauensvorschuss würden sich Unternehmen oder öffentliche Institutionen nur wünschen", erklärte Peter Hajek von Public Opinion Strategies.

Die Ärztekammer fordert schon seit längerem 1.400 Kassenärzte, davon 300 in Wien. Sie sieht in diesem Ergebnis auch den "klaren Auftrag", sich weiterhin politisch für den Ausbau und die Weiterentwicklung des niedergelassenen Bereichs einzusetzen, wie heute bekräftigt wurde.

Denn was die viel diskutierten und von der Politik geförderten PHC-Zentren anbelangt, so kam heraus: 60 Prozent der Befragten können mit dem Begriff nichts anfangen oder wissen nicht genau, was das überhaupt sein soll. In dieser Diskussion vertrauen die Österreicher übrigens mehrheitlich (51 Prozent) der Ärztekammer. Nur 22 Prozent vertrauen in dieser Thematik eher dem Gesundheitsministerium. Überhaupt sind 56 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Gesundheitspolitik zu wenig auf die Meinung der Ärzte hört.

Mit der Umfrage wollte die Ärztekammer auch die Behauptung widerlegen, dass die Öffnungszeiten von Ordinationen zu kurz seien, weswegen man unbedingt Versorgungszentren benötige. So hätte sich gezeigt, dass 86 Prozent der Hausarzt-Besucher mit den Öffnungszeiten zufrieden seien, bei den Fachärzten waren dies 75 Prozent. Aber: Jüngere Menschen würden die aktuellen Öffnungszeiten "tendenziell kritischer beurteilen", hieß es. Dies zeige Optimierungsbedarf: "Es braucht mehr Ärztinnen und Ärzte und mehr Vernetzung", forderte Steinhart.

Von der Politik, konkret von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), wünscht sich die Kammer überdies eine "faire Gesundheitsfinanzierung", so Steinhart. Im Gesundheitsbereich sei mit Mehrausgaben von drei bis vier Prozent zu rechnen. Das müsse auch im Finanzausgleich gewährleistet werden. Von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) wird überdies die Einberufung eines institutionsübergreifenden Gesundheitsgipfels gefordert.

apa.at

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