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APA-Artikel 10. Oktober 2016

Studie bescheinigt Österreich Aufholbedarf bei sozialen Innovationen

Österreich hat Aufholbedarf bei Innovationen im Sozial- und Gesundheitswesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der WU Wien im Auftrag der im Gesundheits- und Krankenhausmanagement tätigen Vinzenz Gruppe. Während die Förderung sozialer Innovation in anderen Ländern auf der politischen Agenda weit oben steht, steckt sie in Österreich "in den Kinderschuhen", so Studienleiter Michael Meyer.

Die Wissenschafter der Wirtschaftsuni stellten zwar keinen Mangel an Initiativen fest, wegen des Fehlens einer politischen Gesamtstrategie blieben soziale Innovatoren aber oft auf sich gestellt und scheiterten, hieß es am Montag bei der Präsentation der Studie. Grund dafür seien häufig politische Rahmen- und Förderbedingungen. "Zu viele Innovationen bleiben in der Prototypenphase hängen. Österreich leidet an 'Projektitis'. Es gibt zwar Förderungen für Ideen und Pilotprojekte, es krankt aber an der Überführung in den Regelbetrieb", erklärte Meyer.

Dabei seien soziale Innovationen gerade im Gesundheitsbereich zentral. "Sie bringen Qualitätssteigerungen, erreichen unterversorgte Zielgruppen und können auch Kosteneinsparungen bringen", berichtete Meyer.

Michael Heinisch von der gemeinnützigen Vinzenz Gruppe führte dazu ein praktisches Beispiel an, an dem auch sein Unternehmen beteiligt war: Die Wiener Gebietskrankenkasse, das Krankenhaus Göttlicher Heiland und die Wiener Ärztekammer haben in einem Gemeinschaftsprojekt Patienten ein umfassendes Wundmanagement angeboten. 2009 wurde dem Projekt sogar der Gesundheitspreis der Stadt Wien verliehen. Nach zwei Jahren musste das Projekt trotz Erfolges beendet werden, weil keine Folgefinanzierung gefunden wurde. Aktuell führt die Spezialambulanz das Projekt mit eigenen Mitteln und mit Selbstbeteiligung der Patienten fort.

Zusätzliche Hürden für gemeinnützige Initiativen stellen laut der WU-Studie das Fehlen einer zentralen Anlaufstelle, der Mangel an professionellen Mentoren und generell die föderale und unübersichtliche Machtverteilung speziell im Gesundheitswesen dar. Meist entspringen Initiativen dem Antrieb Einzelner. "In Organisationen müssen oft erst innovationsfreundliche Strukturen und Kulturen geschaffen werden. Anorektische, krankgesparte, schon im Routinebetrieb aus dem letzten Loch pfeifende Organisationen sind nicht mehr innovativ", betonte Meyer.

Der Ausbau sozialer Start-ups habe laut der Studie einiges Potenzial. Die WU geht für Österreich von rund 1.200 bis 2.000 Sozialunternehmen mit Umsätzen von rund 700 Millionen Euro und 16.000 Beschäftigten aus. Je nach politischen Rahmenbedingungen sind diese Zahlen stark ausbaufähig, prognostizierte Meyer: "2025 könnte es 1.300 bis 8.300 gemeinnützige Institutionen geben. Und diese würden dann bis zu 132.000 Arbeitsplätze bieten."

Die WU-Forscher schlagen deshalb die Schaffung einer "Agentur für soziale Innovation" vor. Zugleich sollten sich die derzeitigen Start-up-Förderstellen in Richtung soziale Innovation verbreitern. Auch die Erschließung privaten Risikokapitals wäre wünschenswert. Für das Gesundheitswesen schlägt Heinisch das Modell Deutschland vor. "Dort wurde ein geringer Prozentsatz des Gesundheitsbudgets für innovative Projekte zweckgewidmet. Ich denke, dass ein solcher Schritt - etwa in Form eines Innovationsfonds - auch in Österreich Bewegung bringen würde."

apa.at

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