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APA-Artikel 7. Oktober 2016

Pneumologenkongress - Pneumonie im Spital gefährlicher als Infarkt

Pneumonien müssen immer als medizinischer Notfall betrachtet werden. Darauf verwiesen Experten am Freitag aus Anlass der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP; 6. bis 8. Oktober) in Wien.

Die Mortalität von Patienten mit Lungenentzündungen ist hoch. Zehn Prozent der Kranken, die mit einer Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert werden, sterben daran. Bei Patienten, die lebend mit Herzinfarkt ins Krankenhaus kommen, liegt die Sterblichkeit heute bei unter fünf Prozent. "Das liegt unter anderem daran, dass die Lungenentzündung als lebensbedrohliche Erkrankung grob unterschätzt wird", sagte Holger Flick, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Infektiologie und Tuberkulose der ÖGP.

Auch wenn Patienten, die aufgrund einer Pneumonie ins Krankenhaus eingeliefert werden, vermeintlich nicht unmittelbar lebensbedrohlich erkrankt sind, bedürfen sie - den neuen Erkenntnissen zufolge - im Einzelfall von Beginn an einer intensiven Überwachung und Therapie. Flick wurde so in einer Aussendung zitiert: "Patienten mit Lungenentzündung scheinen bei der Erstbegutachtung im Krankenhaus oft nicht unmittelbar vital bedroht zu sein und werden daher auf die Normalstation gelegt. (...) Der Zustand des Patienten kann sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern." Menschen ab 65 Jahren und Patienten mit Vorerkrankungen seien besonders gefährdet. Während bei einem Herzinfarktpatienten das gesamte Behandlungsteam von Beginn an hoch alarmiert sei und sofort eine genau definierte Abfolge von diagnostischen und therapeutischen Interventionen ablaufe, werde die Gefährlichkeit einer Lungenentzündung immer wieder unterschätzt.

Die Experten fordern daher, analog zum Herzinfarkt und Schlaganfall, die Lungenentzündung im Krankenhaus als medizinischen Notfall zu verstehen. Flick sagte: "Jeder Patient, der mit Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wird, muss schnellstmöglich untersucht, bei drohenden Komplikationen als akuter Notfall behandelt und in weiterer Folge engmaschig beobachtet werden!"

Das grundlegende Ziel der neuen Leitlinie, die erstmalig für Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam erarbeitet wurde und bei deren Ausarbeitung Flick als Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie mitgearbeitet hat, ist die Reduktion der Sterbefälle durch eine Verbesserung der Behandlungsqualität.

apa.at

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