zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 30. September 2016

E-Medikation 2 - Kritik am Hauptverband

Teilnehmer hätten darüber geklagt, dass die E-Card-Gesellschaft der Sozialversicherung, die SVC, diese Probleme nicht lösen habe können, hieß es in der Aussendung. "Stattdessen schob sie den freiwillig am Pilotprojekt Teilnehmenden die Schuld am Versagen der E-Medikations-Applikation zu." Kritisiert wurde hier vor allem Hauptverbands-Vizegeneral und SVC-Geschäftsführer Volker Schörghofer.

Dieser habe in einer Pressekonferenz des Hauptverbands am Dienstag zum "Rundumschlag" gegen die Ärzte ausgeholt und ihnen vorgeworfen, in der EDV-Steinzeit zu arbeiten, so der Vorwurf der steirischen Ärztekammer. "Wenn die Produzenten von Autos, Waschmaschinen oder Mobiltelefonen erkennen, dass ihre Produkte mangelhaft sind, rufen sie diese zurück - der Hauptverband beschuldigt dagegen die Anwender", ärgerte sich der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner. Das sei nicht hinzunehmen.

Schörghofer hatte bei dem Termin vor Journalisten tatsächlich von "Steinzeit" gesprochen, dies jedoch lediglich auf jene Minderheit unter den Ärzten gemünzt, die ihren PC "zehn Jahre nicht upgedatet" hätten und sich nicht um aktuelle Hard- und Software kümmerten. Bei diesen laufe die Software zur E-Medikation nicht, bei 94 Prozent der Ärzte mit E-Card-System im Bezirk Deutschlandsberg aber sehr wohl, so Schörghofer damals.

Kammer-Chef Lindner zeigte jedenfalls Verständnis für die Entscheidung der Kollegen (und zwar aller im Bezirk betroffenen, wie der APA versichert wurde): "Die Ärzte arbeiten in der EDV-Realität, der sich die EDV-Traumwelt der SVC nicht anpassen kann oder will." Das mache die Fortführung des Pilotversuchs sinnlos. Eine Erkenntnis habe man daraus schon gewonnen: "Die E-Medikation funktioniert noch nicht."

Lindner betonte, dass er eine technisch einwandfreie, Funktionalität und Sicherheit gewährleistende E-Medikation grundsätzlich für durchaus sinnvoll halte, und so denke auch die überwiegende Zahl der Ärzte. "Aber wenn das System nicht funktioniert, muss es zurück in die Fabrik." Die E-Medikation könne angesichts der begrenzten Zahl von Ärztesoftware-Herstellern dort getestet und funktionstauglich gemacht werden. Zusätzlich forderte er, vorab die Finanzierung der E-Medikation zu klären.

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) sah in einer Aussendung alle ihre Vorbehalte gegenüber dem "an sich sinnvollen, aber völlig unausgereiften Projekt" bestätigt. "Dass ein an sich wichtiges Projekt zur Förderung der Patientensicherheit an der geradezu fahrlässigen Inkompetenz des Hauptverbands scheitert, ist traurig", so der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der ÖÄK, Johannes Steinhart. Einen Wiedereinstieg könne es geben, sobald die technischen Probleme und die Finanzierung geklärt seien.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben