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APA-Artikel 27. September 2016

Schweiz: Kinderprämien steigen am stärksten

Die Krankenkassenprämien steigen, am stärksten bei den Kindern. Ihre Prämien nehmen im kommenden Jahr im Durchschnitt um 6,6 Prozent zu, bei den Erwachsenen sind es 4,5 Prozent. Familien dürften nicht bestraft werden, warnt Bundesrat Alain Berset.

Der Gesundheitsminister begründete den starken Anstieg damit, dass die Prämien bei den Kindern in den letzten Jahren die Kosten nicht mehr decken konnten. Die Zahl der Behandlungen und die Kosten seien angestiegen, sagte Berset am Montag vor den Medien in Bern.

Es gebe bei den Kinderprämien einen gewissen Nachholbedarf. Besonders gross ist dieser in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Genf und Solothurn, wo der Anstieg sogar über 9 Prozent beträgt.

Ebenfalls relativ gross ist der Prämienanstieg bei den jungen Erwachsenen. Personen zwischen 19 und 25 Jahren müssen im 2017 im Durchschnitt mit 5,4 Prozent höheren Prämien rechnen. Sie bezahlen im Durchschnitt 414 Franken, bei den Kindern sind es 105 Franken.

Die höchsten Prämienrechnungen erwarten nach wie vor die Erwachsenen. Bei ihnen schlägt die Grundversicherung bei einer Franchise von 300 Franken und Unfalldeckung neu mit durchschnittlich 447 Franken zu Buche. Das sind rund 19 Franken mehr als im Vorjahr.

Mit einem besonders hohen Anstieg von über 6 Prozent rechnen müssen Versicherte in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Glarus, Jura und Wallis. In sieben Kantonen (AG, BE, LU, SH, TG, ZG, ZH) liegen die Anpassungen unter 4 Prozent.

Am höchsten sind die Durchschnittsprämien aber weiterhin in Basel und Genf mit 567 respektive 554 Franken. Die günstigsten Prämien zahlen Erwachsene in Appenzell Innerrhoden mit 347 Franken und in Nidwalden mit 361 Franken.

Doch längst nicht alle Versicherten zahlen die Durchschnittsbeträge ihres Wohnkantons. Je nach Versicherungsmodell und Franchise können die Kosten von weniger als 200 Franken bis zu über 700 Franken variieren. Gesundheitsminister Berset appellierte an die Versicherten, es liege auch in ihrer Verantwortung, die eigene Prämie zu minimieren.

Allerdings lohnt sich der Wechsel zu einer hohen Franchise weniger als auch schon: In diesem Bereich steigen die Prämien stärker als bei den tiefen Franchisen, wie BAG-Direktor Pascal Strupler an der Medienkonferenz sagte.

Mit einem überdurchschnittlich grossen Prämienanstieg müssen auch Versicherte von sogenannten "Billigkassen" rechnen, die in der Vergangenheit Jagd auf gute Risiken, sprich junge, gesunde Versicherte gemacht haben. Diese Krankenkassen müssen ab dem kommenden Jahr mehr in den Ausgleichstopf bezahlen.

Kassen mit Versicherten, die teure Medikamente benötigen hingegen, erhalten mehr Geld ausbezahlt. Entsprechend dürften ihre Prämien moderater steigen. "Für Krankenkassen lohnt es sich immer weniger, Gesunde anzuwerben", sagte Strupler. Er rechne damit, dass sich die Prämien der verschiedenen Kassen immer mehr angleichen.

Die Krankenkassenprämien sind seit der Einführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 stetig angestiegen, in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um 3,6 Prozent.

Ein Ende ist nicht absehbar. Die Gesundheitskosten und damit auch die Prämien werden weiter steigen, sagte Berset. Ein Grund sei die Demografie, "bis 2050 werden in der Schweiz doppelt so viele 80-Jährige leben wie heute."

Dazu komme der medizinisch-technische Fortschritt. Dadurch würden zwar die Behandlungen immer besser, was gut für die Patienten sei. Dafür stiegen aber auch die Kosten. Das Ziel sei die "beste Behandlung zu bezahlbaren Preisen", so Berset. Kritik äusserte der Gesundheitsminister am teils unbegründeten Mengenwachstum.

Zurzeit erschwerend für die Krankenkassen hinzu kommen die Negativzinsen, wie Berset weiter sagte. Bei Reserven von rund sechs Milliarden Franken habe die Zinssituation einen Einfluss auf das Budget.

Kritik an den angekündigten Prämienerhöhungen äusserten am Montag Konsumenten- und Patientenschützer. Nur ein Teil sei mit demographischem Wandel und medizinischem Fortschritt zu erklären. Schuld daran sei vor allem das falsche Finanzierungssystem.

Heute werden die Kosten für stationäre Behandlungen zu 55 Prozent von den Kantonen übernommen, die Kosten für ambulante Behandlungen gehen voll zu Lasten der Krankenkassen. Die zunehmende Verschiebung von stationär zu ambulant führt damit zu höheren Krankenkassenprämien.

Für eine einheitliche Finanzierung sprechen sich auch die Ärzteverbindung FMH und die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura aus. Die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) zeigt sich hingegen skeptisch.

apa.at

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