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APA-Artikel 15. September 2016

D: Der Skandal um die PIP-Brustimplantate

Der Skandal um Brustimplantate aus billigem Industrie-Silikon der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) beschäftigt seit Jahren die Gerichte. Allein in Deutschland wurden sie tausenden Frauen eingesetzt, weltweit waren Hunderttausende betroffen.

März 2010: Die zuständige Behörde in Frankreich nimmt die Brustimplantate wegen der hohen Reißanfälligkeit vom Markt. PIP meldet Konkurs an und wird später zwangsliquidiert.

April bis Juli 2010: Frankreichs Justiz ermittelt wegen Betrugs und Gesundheitsgefährdung. Erste Zivilklagen gehen ein.

November 2010: Eine Opfervereinigung erstattet Anzeige gegen den TÜV Rheinland, der die PIP-Implantate zertifiziert hatte.

Dezember 2011: Nach dem Tod einer Frau mit PIP-Implantaten werden Vorermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung eingeleitet. Die Behörden empfehlen 30 000 französischen Frauen die Entfernung der Implantate.

Dezember 2013: Der PIP-Gründer wird in Marseille wegen Betrugs und Verbrauchertäuschung zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von 75 000 Euro verurteilt. Ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence bestätigt im Mai 2016 die Haftstrafe.

April 2015: Der Bundesgerichtshof legt dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg mehrere Fragen zur Auslegung europäischer Vorgaben bei der Kontrolle von Medizinprodukten vor, zu denen auch Silikonimplantate gehören. Hintergrund ist die Schmerzensgeldklage einer Frau aus der Vorderpfalz. Sie wirft dem TÜV Rheinland vor, das Unternehmen PIP nicht ausreichend überwacht zu haben und verlangt 40 000 Euro Schmerzensgeld.

Juli 2015: Ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence bescheinigt dem TÜV Rheinland, seine Verpflichtungen bei der Zertifizierung der PIP-Produkte erfüllt zu haben. Es hebt damit ein Urteil eines Gerichts in Toulon vom November 2013 auf, demzufolge die Prüforganisation seine Pflicht zur Kontrolle verletzt hatte und Importeure sowie Opfer entschädigen sollte. In dem Zivilverfahren ging es um Schadenersatz in Millionenhöhe.

apa.at

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