zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 8. September 2016

Schweiz: Angebot an Pflegepersonal hinkt trotz Zuwachs dem Bedarf hinterher

Die Zahl der Personen, die von Berufs wegen kranke oder ältere Menschen pflegen und betreuen, ist zwischen 2010 und 2014 angestiegen. Der Branche fehlt es dennoch an Personal. Denn der Bedarf nimmt stetig zu, und gleichzeitig bleiben die Leute nicht lange im Beruf.

2014 waren in der Schweiz 202'000 sogenannte nicht-universitäre Gesundheitsfachpersonen in der Branche tätig - 178'800 von ihnen im Bereich Pflege und Betreuung. Der Personalbestand nahm damit gegenüber 2010 um 13 Prozent zu.

Zu diesem Schluss kommt der Nationale Versorgungsbericht 2016, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Den grössten Personalzuwachs verzeichneten in diesem Zeitraum mit 20,5 Prozent die Spitex-Organisationen.

Trotz dieser positiven Entwicklung hinkt das Angebot an im Inland ausgebildeten Fachpersonen der Nachfrage noch immer hinterher. Die Betriebe rekrutierten das fehlende Personal heute aus dem Ausland, schreiben die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und die Nationale Dach-Organisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdASanté), die den Bericht in Auftrag gegeben haben.

So kämen auf drei in der Schweiz ausgebildete Pflegefachpersonen jeweils zwei Personen mit ausländischem Pflegediplom.

Positiv wird deshalb gewertet, dass im untersuchten Zeitraum in den Gesundheitsberufen deutlich mehr Ausbildungsabschlüsse gemacht wurden. In den Pflegeberufen stieg die Zahl der Abschlüsse zwischen 2010 und 2014 um 30 Prozent, in den medizinisch-technischen und medizinisch-therapeutischen Berufen sogar um fast 50 Prozent.

Trotz dieser "Ausbildungsoffensive" und der erfreulichen Entwicklung bei der Ausbildung reiche die Zahl der Abschlüsse von 2014 allerdings nicht, um den erwarteten Nachwuchsbedarf zu decken, heisst es weiter. Bis ins Jahr 2025 seien nur knapp 60 Prozent des geschätzten jährlichen Bedarfs gedeckt; im Bereich Pflege und Betreuung würden lediglich rund 56 Prozent des Bedarfs erreicht.

Denn die Schweiz wird älter, und der Bedarf an Pflegepersonal nimmt stetig zu. Nebst des wachsenden Personalbedarfs führt jedoch noch ein weiterer Umstand zu diesem "tiefen Deckungsgrad": Das Fachpersonal bleibt aus Sicht der Branche nicht lange genug im Beruf. Nebst den Anstrengungen bei der Ausbildungstätigkeit hätten deshalb "Massnahmen zur Personalerhaltung" oberste Priorität, fordern GDK und OdASanté in einem Appell an die Branche.

Angesichts der demografischen Entwicklung in der Schweiz seien zudem Ansätze nötig, um die erwartete Nachfrage zu dämpfen. Gefragt seien etwa neue Organisationsmodelle der Versorgung, aber auch Massnahmen im Bereich der Gesundheitsförderung und der Prävention.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben