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APA-Artikel 25. August 2016

Spitalsärzte - Wiener Ärztekammer fordert von Wehsely Gespräche ein

Die Wiener Ärztekammer versucht den Druck auf die Stadt in Sachen Arbeitszeitregelungen sukzessive zu erhöhen. Nach dem gestrigen Kurienbeschluss pro Kampfmaßnahmen haben Kammerchef Thomas Szekeres und seine Mitstreiter am Donnerstag einen Offenen Brief an Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) veröffentlicht, in dem sie Gespräche mit der Ressortchefin einfordern.

In dem Schreiben, unterzeichnet neben Szekeres u.a. von den beiden Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer, Hermann Leitner und Johannes Steinhart, begründet die Kammerspitze noch einmal die Streikdrohung der Wiener Spitalsärzte mit "Nachtdienstreduktionen ohne Begleitmaßnahmen". Gemeint sind damit Verschiebungen von Nachtdiensten in den Tag. Dadurch sei die Patientenversorgung "akut" gefährdet. Ambulanzschließungen und dadurch längere Wartezeiten für Patienten seien Belege dafür. Darüber hinaus ist von einem "unerträglichen Betriebsklima" im Krankenanstaltenverbund (KAV) - dem Träger der städtischen Spitäler.

"Einseitige Anordnungen von Änderungen der Dienstzeiten, verspätete Auszahlung von Gehaltsbestandteilen ohne Information der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, völlig falsche Darstellungen der Einkommenssituation der ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Umstrukturierungen ohne Einbindung der ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen, dass einfache Grundsätze der Personalführung seitens der Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbunds gröblichst missachtet werden", lautet der Vorwurf der Standesvertretung.

Wehsely wird aufgefordert, als politisch zuständige Stadträtin die Abstimmung über Protestmaßnahmen ernst zu nehmen und "mit den gewählten Vertretern der Ärzteschaft im Krankenanstaltenverbund, vertreten durch den Personalgruppenausschuss - ÄrztInnen und die Wiener Ärztekammer, in einen Dialog zu treten". Denn es gelte zu verhindern, dass das Gesundheitssystem durch "Misswirtschaft" im KAV "noch weiter beeinträchtigt" werde.

Zu welchen Kampfmitteln die Ärzte greifen wollen, darüber berät ein in der gestrigen Kuriensitzung nominiertes "Aktions- und Streikkomitee". Dieses tritt morgen, Freitag, Vormittag das erste Mal zusammen, hieß es auf APA-Anfrage aus der Kammer. Damit könnte bereits vor dem Wochenende ein Fahrplan in Sachen Protestmaßnahmen stehen. Auch ein Streik wurde im Vorfeld nicht ausgeschlossen.

Wiens Patientenanwältin Sigrid Pilz übte indes - wie schon gestern Gesundheitsstadträtin Wehsely - harsche Kritik an der Ärztekammer. Sie wirft den Funktionären "Panikmache" vor: "Ich halte das für unerträglich", sagte Pilz im ORF-Radio. Sie erinnerte einmal mehr daran, dass das Arbeitszeit-Paket von Stadt und KAV gemeinsam mit der Kammer ausverhandelt und auch von Szekeres unterschrieben worden war. Sollte es tatsächlich zu Arbeitsniederlegungen kommen, werde sie keinesfalls akzeptieren, dass wichtige Operationen oder Untersuchungen verschoben werden oder gar Patienten zu Schaden kommen, betonte Pilz.

apa.at

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