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APA-Artikel 17. August 2016

Spitalsärzte - Wiener KAV rechnet nicht mit Streik

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) rechnet nicht mit einem Streik der Spitalsärzte wegen der Umsetzung der neuen Arbeitszeitenregelungen. "Ich persönlich halte einen Streik den Patienten gegenüber nicht für vertretbar", sagte KAV-Generaldirektor Udo Janßen vor Journalisten.

"Wir zahlen, wir setzen um - ich kann nicht sehen, warum die Ärztekammer von einem Vertragsbruch spricht", so Janßen: "Wir machen nichts anderes als das, was wir vereinbart haben."

Die Wiener Ärztekammer befragt die Mediziner in den Gemeindespitälern derzeit zu ihrer Streikbereitschaft. Die Befragung läuft bis einschließlich 21. August. Das Ergebnis soll tags darauf, am 22. August, veröffentlicht werden. Ausschlaggebend war laut Ärztekammer die geplante Streichung von 40 Nachtdiensten.

"Es ist eine Utopie der Ärztekammer zu sagen, es gibt mehr Gehalt, ohne dass das, was vereinbart wurde, umgesetzt wird", meinte Janßen zur Kritik der Ärztekammer. Die Mehrausgaben des KAV für die Erhöhung der Grundgehälter beliefen sich auf 60 Mio. Euro. Abgefragt werde außerdem nicht, ob gestreikt werden soll, sondern lediglich, ob die Bereitschaft dazu bestehe, betonte er. Er führt die Befragung auf "wahltaktische Überlegungen der Ärztekammer", deren Wahl im März 2017 ansteht, zurück.

Die Ärztekammer befürchtet Leistungseinschränkungen und eine erhöhte Arbeitsbelastung für den einzelnen Arzt. "Es gibt höhere Gehälter bei verkürzten Dienstzeiten, demzufolge gibt es natürlich auch eine erhöhte Intensität", meinte Janßen. Es handle sich allerdings nicht um eine Streichung von Diensten, sondern um eine Verlegung dieser in den Tag, betonte er. Die Vereinbarung von Juli 2015 enthalte die Reduktion von Nachtdiensten. Die Ärztekammer sei einverstanden gewesen, dass die Nachtdienste - bei einer erhöhten Tagespräsenz - von 135.000 pro Jahr auf 100.000 reduziert werden.

Alarm schlug die Ärztekammer außerdem wegen einem angeblichen Verbot von Überstunden. Laut "Presse" sollen eine 40-Stunden-Woche etabliert und Überstunden ab Oktober nicht ausbezahlt, sondern nur noch in Freizeit (Zeitausgleich) abgegolten werden. Dass Überstunden künftig nicht mehr ausbezahlt werden, sei nicht der Fall, sagte Janßen: "Wir werden auch in Zukunft Mehrdienstleistungen auszahlen müssen." Es sei jedoch sehr wohl das Ziel, Überstunden möglichst zu vermeiden und diese in erster Linie mit Zeitausgleich und erst, wenn das nicht möglich ist, finanziell abzugelten. "Geplante Mehrdienstleistungen sind auf das zwingend notwendige Maß zu reduzieren", sagte Janßen.

In einem Drittel der Abteilungen aller Wiener Krankenanstalten sei die neue Dienstzeitenregelung bereits umgesetzt. Die restlichen zwei Drittel sollen im September folgen. Im Oktober soll die Fertigstellung des neuen Konzepts erreicht sein.

Entlastet werden sollen auch die Spitalsambulanzen - durch die Zentralen Notaufnahmen. Deren Umsetzung schreitet laut KAV voran. Im Krankenhaus Floridsdorf, in Hietzing und im Wilhelminenspital sind bereits Notaufnahme-Stationen mit insgesamt 38 Betten vorhanden. In der Rudolfstiftung soll im Herbst eine Zentrale Notaufnahme mit 24 Betten in Betrieb gehen. Im Donauspital und im Kaiser-Franz-Josef-Spital sind derzeit noch keine Notaufnahmen mit Betten vorhanden, diese werden erst nach Umbauten in den kommenden Jahren entstehen. "Wir werden weitere Adaptierungen vornehmen, wenn die Zentralen Notaufnahmen fertig sind", sagte Janßen in Bezug auf die Reduzierung der Nachtdienste: "Der Prozess ist nicht abgeschlossen."

apa.at

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