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APA-Artikel 16. August 2016

Expertin rät zur Vorsicht bei Wahl blutverdünnender Medikamente 1

Die Zahl der Menschen, die eine blutverdünnende Therapie auf Dauer benötigen, wächst. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vorhofflimmern oder Herzklappenoperationen sind dafür die Ursache. Bei der Wahl der verwendeten Medikamente sollten Ärzte und Patienten aber vorsichtig sein, sagte jetzt die Wiener Intensivmedizinerin Sibylle Kozek-Langenecker gegenüber der APA.

"Die Menschen werden immer älter. Damit wird praktisch 'automatisch' auch der Anteil jener höher, welche zum Beispiel an Vorhofflimmern leiden. Das stellt ein hohes Risiko für einen Schlaganfall dar, das man aber durch eine die Blutgerinnung hemmende Therapie um zwei Drittel reduzieren kann", sagte die Intensivmedizinern vom Evangelischen Krankenhaus in Wien.

In Österreich sind allein rund 120.000 Menschen von Vorhofflimmern betroffen. Bis zum Jahr 2050 soll sich ihre Zahl verdoppeln. In Europa sind rund 15 Millionen Menschen betroffen. Jeder Vierte, der jetzt 40 Jahre alt ist, wird im Laufe seines Lebens Vorhofflimmern entwickeln. Etwa zehn Prozent der mehr als 80-Jährigen leiden an solchen Herzrhythmusstörungen. 35 bis 45 Prozent aller Schlaganfälle sind darauf zurückzuführen, dass ein Thrombus aus dem Herzen über die Halsschlagadern in das Gehirn "schießt".

Gerade bei der Prävention dieser gefährlichen Komplikation kommen seit wenigen Jahren vor allem die neuen oralen Antikoagulanzien zum Einsatz (NOAKs). Sie haben sich als genauso wirksam wie das alte Marcoumar (Vitamin K-Antagonist) erwiesen. Doch bei der Verwendung der neuen Medikamente entfällt die Notwendigkeit einer regelmäßigen Laborkontrolle der Blutgerinnung. Außerdem kommt es zu weniger Blutungskomplikationen.

"Die Vorteile dieser Medikamente sind klar. Deshalb haben sie sich auch weitgehend durchgesetzt", sagte Sibylle Kozek-Langenecker. Doch die Sache habe auch eine Kehrseite. "Wir haben dann im Spital Patienten nach Unfällen, die operiert werden müssen - und sie haben eine blutverdünnende Therapie." Entweder man riskiere schwere Blutungen oder man müsse die Operation verschieben, bis die Wirkung der Medikamente nachgelassen habe.

"Das ist aber schlecht. Es gibt Daten, die ganz klar beweisen, dass das Verschieben einer Operation wegen eines Oberschenkelhalsbruchs über 48 Stunden bereits die Komplikationsrate und die Sterblichkeit erhöht", sagte die Expertin.

apa.at

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