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APA-Artikel 1. August 2016

Linzer Krankenhaus forciert Lebendspender-Nierentransplantationen

Das Linzer Krankenhaus der Elisabethinen will als eines von vier österreichischen Transplantationszentren vermehrt Nieren von Lebendspendern transplantieren. Dies sei ein Ausweg aus der langen Wartezeit für ein Spenderorgan und die Lebensdauer von Patienten mit einer Lebendspende sei wesentlich höher, sagte Daniel Cejka, Leiter der Nephrologischen Abteilung bei einer Pressekonferenz am Montag.

Österreichweit werden jährlich etwas mehr als 400 Nierentransplantationen durchgeführt - 60 bis 70 davon im Krankenhaus der Elisabethinen. Aktuell muss ein Patient durchschnittlich 3,3 Jahre auf ein Spenderorgan in Österreich warten. Circa 700 Patienten stehen auf der Warteliste zur Nierentransplantation in Österreich. Der Anteil von Lebendspendern liegt österreichweit bei rund 15 Prozent. Das Linzer Krankenhaus habe mit einem Anteil von 25 Prozent den höchsten Wert in Österreich. "Nimmt man sich die Niederlande mit 50 Prozent zum Vorbild, haben wir aber noch Spielraum nach oben", so Primar Cejka. Der Mediziner leitet die Nephrologische Abteilung des Krankenhauses seit Mai und hat die Verbesserung der Lebensqualität und das Überleben von Nierenpatienten zu seinem Arbeitsschwerpunkt erklärt.

Die Dialyse sei als Nierenersatztherapie für die Patienten lebensnotwendig. Es könnten aber nicht die Ergebnisse einer Nierentransplantation erreicht werden. Damit werde die Lebenszeit der Patienten in etwa verdoppelt, so Cejka. Es gibt aktuell rund 4.400 Dialysepatienten in Österreich, jährlich würden rund 1.200 dazukommen. Das Krankenhaus der Elisabethinen ist mit 48 Plätzen das zweitgrößte Dialysezentrum Österreichs.

Zukünftig soll die Bauchfelldialyse im Linzer Krankenhaus häufiger zum Einsatz kommen. Diese Methode kann der Patient selbst zu Hause durchführen, die Membran des Bauchfells wird als Filter verwendet. Der Patient muss rund drei bis vier Mal täglich eine Reinigungsflüssigkeit über einen dauerhaft eingesetzten Schlauch in den Bauchraum einleiten und das verbrauchte Dialysat in einen Beutel abfließen lassen. Alle sechs bis acht Wochen geht es zur Untersuchung ins Krankenhaus. Patienten der konventionellen Hämodialyse müssen drei Mal pro Woche für bis zu vier Stunden zur "Blutwäsche" ins Krankenhaus kommen. "Das ist zeitlich gesehen ein Halbtagesjob. Viele Patienten müssen aus dem Berufsleben ausscheiden, weil es sich zeitlich nicht vereinbaren lässt", sagte Cejka.

Die erste Dialyse-Maschine Österreichs wurde 1959 von Bruno Watschinger entwickelt. Das aus Gebrauchsgegenständen bestehende Gerät - darunter ein aufblasbares Babyplanschbecken, eine Konservendose und ein Heizstab - wurde kürzlich im Keller des Linzer Krankenhauses wiederentdeckt und wird künftig in der Dialysestation ausgestellt.

Gefragt nach möglichen zukünftigen Entwicklungen, nannte Cejka die Xenotransplantation, wo es zu einer Übertragung zwischen verschiedenen Spezies kommt. Herzklappen von Schweinen werden bereits als Alternative verwendet. Eine Transplantation einer Niere und damit eines lebenden Organes sei aber viel schwieriger und daher noch nicht möglich. Cejka habe aber die "Hoffnung", dass sich in diesem Bereich in den nächsten Jahren etwas tun werde.

apa.at

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