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APA-Artikel 22. Juli 2016

Ständige Erreichbarkeit im Urlaub gefährdet die Gesundheit

Wer im Urlaub ständig erreichbar ist, arbeitet an seinem Burn-out statt sich zu erholen und Kraft zu tanken. 25 Prozent der Österreicher können laut jüngstem Arbeitsklimaindex in den Ferien nicht entspannen, weil sie dauernd erreichbar sind, E-Mails lesen oder mit Kunden telefonieren. Das könnte zu gesundheitlichen Schäden führen, warnt die Arbeiterkammer Oberösterreich.

Die ständige Erreichbarkeit führe zu mangelnder Entspannung und oft auch zu Schlafstörungen. "Dieses ständige gegenseitige Unterbrechen und der zunehmende digitale Präsentismus, also über das Smartphone ständig mit der Firma in Kontakt zu sein, bergen große Gefahren, die bei jahrelanger Gewohnheit oftmals in psychischen Erkrankungen wie Burn-out münden", warnte AK-Präsident Johann Kalliauer heute, Freitag.

Etwa jeder Vierte sei im Urlaub für die Firma durchgehend erreichbar, etwa jeder Siebente checke regelmäßig seine Mails und manche telefonierten sogar mit ihren Kunden oder Kollegen. Auch viele, die nicht direkt in ihrer Urlaubszeit arbeiten, können die Arbeit nicht ganz hinter sich lassen: 20 Prozent der für den Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich Befragten geben an, dass sie auch im Urlaub an die Firma denken. Einer von sechs gab auch an, dass er schon mal seinen Urlaub wegen der Arbeit unter- oder sogar abgebrochen habe. Sogar jeder Zehnte gab zu, dass er die ihm zur Verfügung gestellten Urlaubswochen gar nicht erst aufbrauche und jeder Fünfte musste schon mal den geplanten Urlaub verschieben - meist wegen der vielen Arbeit.

Kalliauer weißt auch darauf hin, dass es die Verantwortung der Betriebe und der Führungskräfte - die mit ihrer ständigen Abrufbarkeit eine Vorbildwirkung hätten - sei, Strategien und Maßnahmen gegen gesundheitsschädliches Verhalten wie etwa die ständige Erreichbarkeit im Urlaub einzuleiten.

Der Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich wird viermal im Jahr gemessen. Es gibt ihn seit 19 Jahren und er dient dazu die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus der Perspektive der Arbeitnehmer darzustellen. Es wurden 900 Arbeitnehmer in ganz Österreich zu 26 Themenbereichen befragt.

Kritk an "negativer Stimmungsmache"

Die Wirtschaftskammer (WK) Oberösterreich hat den Arbeitsklimaindex zum Anlass genommen, deren "negative Stimmungsmache" zu kritisieren. Seit Wochen verbreite sie nur Infos über die angeblich schlechten Arbeitsbedingungen im Land. "Man glaubt es kaum, aber selbst am Urlaub hat die AK OÖ etwas auszusetzen", ärgert sich die WK in einer Presseaussendung.

Im gleichen Atemzug beschwere sich die Arbeitnehmervertretung jedoch auch, dass die Stimmung im Land von den Leuten immer pessimistischer gesehen werde. Verantwortlich dafür mache die AK "die böse Wirtschaft", heißt es weiter. Dabei werde offenbar vergessen, dass die unselbstständig Beschäftigten in Österreich über ein Sozialsystem verfügen, das "weltweit seinesgleichen sucht". Jetzt würden auch noch die Betriebe für das gesundheitsschädliche Verhalten im Urlaub verantwortlich gemacht. Die Replik der WK auf diese Vorhaltung: "Ständiges AK-Gejammer schadet der Gesundheit".

apa.at

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