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APA-Artikel 21. Juli 2016

MR-Untersuchungen - Wartezeiten 2 - Einzelverträge?

Laut Obfrau Ingrid Reischl gab die Wiener Gebietskrankenkassen im vergangenen Jahr für 68.000 CT-Untersuchungen und 138.000 MR-Scans rund 30 Millionen Euro aus (7,2 Millionen Euro für Computertomografien und 21,4 Millionen Euro für Magnetresonanz). Die ehemals bestehende Chefarztpflicht sei abgeschafft worden, weil im Endeffekt faktisch alle Verschreibungen bewilligt worden seien.

Die WGKK-Chefin betonte auch, dass besonders die Problematik mit Wartezeiten für Krebspatienten - dies betrifft vor allem CT-Untersuchungen - schnell bereinigt werden müsse: "Die Problematik mit Krebskranken, die keinen Termin bekommen, ist schnell zu lösen." Dazu gibt es Gespräche auf Ebene von Gesundheitsministerium, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Wirtschaftskammer Österreich bzw. den Radiologie-Instituten, nachdem sich auch die Volksanwaltschaft eingeschaltet hat.

Freilich, insgesamt will die WGKK-Obfrau mehr Steuerungsmechanismen für die Verteilung der Untersuchungen. Die Situation ist so, dass laut der Sozialversicherungsgesetzgebung (ASVG) zunächst ein Rahmenvertrag zwischen Hauptverband der Sozialversicherungsträger und den Vertretern der Institute (via WKÖ) auszuverhandeln ist. Daraus sind dann die einzelnen Verträge der Krankenkassen abzuleiten. Das wiederum bilde eine "Bestandsgarantie" für jedes Institut und lasse keine Steuerung zu. Ingrid Reischl will im Zweifelsfall den Gesamtvertrag aufgelöst sehen und Einzelverträge möglich machen. Das ist vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger derzeit ja auch für die geplanten Primary Health Care-Zentren (PHC) geplant.

Die WGKK-Obfrau sagte bei dem Hintergrundgespräch: "Es ist so, dass derzeit Gespräche stattfinden. Können wir uns auf einen Steuerungsmechanismus einigen, ist das gut. Können wir uns nicht einigen, wäre ich dafür, den Gesamtvertrag abzuschaffen."

Das stieß bei Radiologenvertreter Franz Frühwald gegenüber der APA auf völlige Ablehnung: "Das finde ich sehr delikat von einer Gewerkschafterin, dass sie sozusagen einen 'Kollektivvertrag' abschaffen will. Dann stehen wir dann einem einzigen Kartell gegenüber." Das sei ja noch schlechter als die Auswahl im österreichischen Lebensmittelhandel mit den großen Ketten und wäre so, als würde der einzelne Stahlarbeiter mit einem Stahlkonzern seinen Arbeitsvertrag aushandeln müssen.

Frühwald sagte: "Wenn das kommt, gibt es den Untergang der Institute (für bildgebende Diagnostik; Anm.) und nur noch Wartezeiten im Spital für alle." Die Gesundheitspolitik sollte hingegen endlich für Wettbewerb zwischen den österreichischen Krankenkassen mit der Möglichkeit der Versicherten zum Wechsel sorgen. "Das wäre logisch. Dann hätten wir bei den Kosten schnell eine Entwicklung wie im Telekom-Bereich in der Vergangenheit." Nicht die Zusammenlegung von Krankenkassen und Planwirtschaft seien gefragt, sondern mehr Wettbewerb.

Die Wartezeiten für Termine in der bildgebenden Diagnostik sind offenbar kein Einzelfall. Ingrid Reischl bestätigte, dass es in Wien auch teilweise Wartezeiten für die gerade bei Rückenschmerzen wichtige Physiotherapie gebe. Das Problem setzt sich laut immer wieder laut werdender Kritik von Patienten dann auch gleich noch bei Ambulanzterminen in Spitälern fort.

apa.at

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