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APA-Artikel 21. Juli 2016

MR-Untersuchungen - Wartezeiten: WGKK hinterfragt Gesamtvertrag 1

Die Wiener Gebietskrankenkasse hat "Kopfweh" wegen des Kreuzwehs ihrer Versicherten durch die vielen MR-Untersuchungen und die teils langen Wartefristen auf Untersuchungen in den Instituten für bildgebende Diagnostik (MR/CT). WGKK-Obfrau Ingrid Reischl will Steuerungsmechanismen einführen, um die Untersuchungen besser verteilen zu können oder den Gesamtvertrag mit den Instituten infrage stellen.

"Die Ausgangssituation ist, dass wir in Österreich Weltmeister sind, nicht im Sport, sondern bei der Anzahl der Magnetresonanz-Untersuchungen (MR). (...) Wir haben 19 Magnetresonanzgeräte pro Million Einwohner. (...) Wir haben 120 MR-Untersuchungen pro 1.000 Einwohner und Jahr. In Wien liegen wir noch darüber", sagte Reischl Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Fazit für die WGKK-Obfrau: "Ständig mehr MRT- und CT-Untersuchungen anzubieten, kann sicher nicht die Lösung für das Problem zu langer Wartezeiten sein."

Die in der österreichischen Gesundheitspolitik zum Thema bildgebender Diagnostik immer wieder zitierten OECD-Daten werden von den Radiologen heftig bezweifelt. "Die entsprechende OECD-Statistik wird vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger konsequent falsch zitiert: Die Staaten melden oft nur die öffentlich betriebenen Geräte, meist nicht die privaten, Österreich meldet alle Geräte (GGP). Daher liegt Österreich im internationalen Vergleich der Gerätezahlen scheinbar gut, in Wahrheit aber im unteren Mittelfeld", stellt dazu die Wirtschaftskammer Österreich/Gesundheitsbetriebe in einer Faktenzusammenstellung fest. In Japan gebe es 43 MR-Geräte pro Million Einwohner, in den USA 31, in der Schweiz 33 und in Deutschland 23 pro Million Einwohner.

Die Radiologen beklagen, dass es seit 2009 einen gedeckelten Vertrag mit den Krankenkassen gibt, wodurch man betriebswirtschaftlich in irgendeiner Weise rentabel eben nicht mehr Untersuchungen durchführen könne. "International (Europa, Nordamerika, OECD-Länder) steigen die Untersuchungszahlen im MR nach allen wissenschaftlichen Studien zwischen fünf und acht Prozent pro Jahr und im CT zwischen zwei bis fünf Prozent", heißt es in der Faktenzusammenstellung der WKÖ. Radiologenvertreter Franz Frühwald sagte gegenüber der APA: "Zwischen 2009 (Beginn des gedeckelten Vertrages; Anm.) und 2014 wurde die Honorarsumme nur um 0,5 Prozent pro Jahr erhöht. Das waren zwei Prozent." Die Tarife für die einzelnen Untersuchungen seien nie valorisiert worden. Mit 150 Euro pro MR-Standard-Untersuchung liege man international weit unter den vergleichbaren Ländern. Die WKÖ führt auch an, dass in der österreichischen Veterinärmedizin eine MR-Untersuchung für Hunde bis zehn Kilogramm 351 Euro koste.

WGKK-Obfrau Ingrid Reischl sieht das anders: "Die Tarife sind gewinnbringend. Die Wiener Gebietskrankenkasse hat ja das Hanusch Krankenhaus und ich kann sagen, dass uns eine MR-Untersuchung 89 Euro kostet." In Wien habe man Verträge mit 14 MR-Instituten und 18 CT-Instituten, wobei sich das überschneidet. Für die Krankenkassenchefin liegt das Problem bei den MR-Untersuchungen aber woanders: "Meine Konklusion liegt darin, dass wir eine Fehlsteuerung haben." Einerseits seien die Untersuchungen nicht optimal auf die Institute aufgeteilt - einige würden in Wien die Limits gar nicht erreichen -, andererseits würden offenbar auch im Prinzip unnötige, schnell von den niedergelassenen Ärzten angeordnete MR-Untersuchungen die Kapazitäten verstopfen.

Der deutsche Orthopäde Ulf Marnitz, Co-Betreiber von Rücken-Gesundheitszentren in Deutschland und Berater des Deutschen Bundestages, betonte: "Ein 50-Jähriger hat eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass mit der Magnetresonanz bei ihm ein Bandscheibenvorfall festgestellt wird, ein 60-Jähriger eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit." Eine solche Untersuchung anzuordnen, ohne eben bei sonst unspezifischen Rückenschmerzen einmal vier bis sechs Wochen zu warten, sei laut den deutsch-österreichischen Leitlinien nicht adäquat. Radiologenvertreter Franz Frühwald unterstrich gegenüber der APA vollinhaltlich: "Das ist in den Leitlinien und wird auch befolgt. Das ist völlig unstrittig. Die Leitlinien sind an alle österreichischen Ärzte versendet worden." Die "Wartezeit" von vier bis sechs Wochen sei allein schon wegen Terminknappheit gegeben - und wenn ein Patient in der Zwischenzeit keine Probleme mehr habe, melde er sich von der Untersuchung ab.

apa.at

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