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APA-Artikel 8. Juli 2016

Medizin-Aufnahmetest: 2,5 Tonnen Testbögen und 7.500 Müsliriegel 1

Seit 2006 müssen Medizin-Studienwerber einen Aufnahmetest absolvieren - die jährlich wachsende Teilnehmerzahl an den öffentlichen Ausbildungsstätten stellt diese vor logistische Großaufgaben. Am Freitag waren allein in der Messe Wien 7.519 Personen zum Test angemeldet. Genauso viele Wasserflaschen und Müsliriegel sowie 2,5 Tonnen Testbögen warteten dabei auf sie.

Insgesamt haben sich österreichweit 15.129 Personen an den Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck sowie der Medizin-Fakultät an der Uni Linz angemeldet. Das ist ein Plus von rund 1.000 Personen bzw. acht Prozent gegenüber 2015. Insgesamt werden 1.620 Studienplätze vergeben, das sind 60 mehr als im Vorjahr (plus vier Prozent). Aufgrund der Masse an Bewerbern wickeln alle Unis den Test an externen Standorten ab - in der Bundeshauptstadt in der Messe Wien, in Graz in der Stadthalle, in Innsbruck in den Messehallen und in Linz im Designcenter.

Allein in Wien sind neben 100 Securitys 60 Lehrende bzw. Verwaltungsmitarbeiter als Test- und Sektorenleiter im Einsatz, die von 260 studentischen Tutoren unterstützt werden, schilderte Vizerektorin Anita Rieder am Freitag vor Journalisten. Für die Produktion der Testbögen wurde eine Druckerei angemietet - ein Lkw brachte die neun Paletten in die Messehallen. "Das ist wie wenn die Nationalbank ihre Goldreserven transportiert."

Tische und Sessel wurden aus dem Ausland herbeigeschafft. Insgesamt wende man rund 800.000 Euro für die Abwicklung des Tests auf, so Rieder - das entspricht in etwa den Einkünften aus den 110 Euro Testgebühr pro Anmeldung.

Seit 2012 gibt es einen österreichweit einheitlichen Aufnahmetest. Angehende Humanmediziner absolvieren den "MedAT-H", Zahnmediziner den weitgehend identen "MedAT-Z". Der "MedAT-H" besteht aus einem "Basiskenntnistest" über schulisches Vorwissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, einem Textverständnistest, einem Test über "Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten" (Zahlenfolgen, Gedächtnis und Merkfähigkeit, Figuren zusammensetzen, Wortflüssigkeit und Implikationen erkennen) sowie über "Soziales Entscheiden". Zahnmediziner müssen statt Textverständnis und Implikationen-Erkennen manuelle Fertigkeiten nachweisen.

Insgesamt werden an der Medizin-Uni Wien 740 Studienplätze vergeben, in Innsbruck 400, in Graz 360 und Linz 120. Den vielen Gescheiterten stehen bessere Studienbedingungen für die Erfolgreichen gegenüber. Mittlerweile schließen 86 Prozent der Studenten innerhalb der Toleranzstudienzeit (Mindeststudienzeit plus ein Semester pro Abschnitt) ab. Die Durchschnitts-Studiendauer sank von 20 auf 13 Semester. Zu ihren eigenen Studienzeiten hätte etwa nur ein Drittel der Studienanfänger ihr Studium abgeschlossen, so Rieder. Heute liege die Drop-Out-Rate bei 5,5 Prozent.

Wermutstropfen: Das Medizinstudium ist weitgehend ein Studium für Angehörige oberer sozialer Schichten. Lediglich ein Drittel stamme aus schwächerer bzw. mittlerer Schicht -"wobei wir nicht genau sagen können, wie es früher war", so Rieder. Das liege zum Teil am Schulsystem, die Unis selbst müssten aber auch versuchen, auf die Bevölkerung zuzugehen und das Studium für alle attraktiv machen.

Ein genaueres Bild über die soziale Zusammensetzung der Studienwerber soll eine Online-Erhebung unter den Testteilnehmern ab der kommenden Woche liefern. Neben dem Bildungshintergrund der Eltern wird dabei etwa abgefragt, wie die Studienwerber ihr Studium finanzieren wollen oder wie sie sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet haben.

Letztere Frage zielt auf die teuren Vorbereitungskurse ab, die von diversen Instituten angeboten werden. Bei einer 2014 durchgeführten Studie habe sich zwar gezeigt, dass deren Teilnehmer keine besseren Resultate erzielten als jene, die sich nur anhand der von Uni selbst zur Verfügung gestellten Beispiele vorbereiteten, so Rieder. Das wolle man nun aber erneut erheben.

Die Ergebnisse der Aufnahmetests werden voraussichtlich am 8. August veröffentlicht.

apa.at

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