zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 30. Juni 2016

CH: Spitalverband H+ reicht Vorschlag zu Tarmed-Revision beim Bund ein

Der Spitalverband H+ geht in die Offensive: Er hat am Donnerstag die neue Struktur für den Ärztetarif Tarmed wie geplant beim Eidgenössischen Departement des Innern zur Prüfung eingereicht - obwohl der Ärzteverband FMH und der Krankenkassenverband curafutura diese ablehnen.

Die neue Tarifstruktur hatte H+ zusammen mit der FMH, den Unfallversicherern und curafutura erarbeitet. In einer Urabstimmung lehnte die FMH das neue Tarifsystem jedoch ab, und auch curafutura sprach sich letzte Woche dagegen aus.

Die Mitglieder von H+ stimmten der neuen ambulanten Tarifstruktur hingegen "mit grosser Mehrheit" zu. Der Verband werde alles daran setzen, dass die neue Tarifstruktur auf Anfang 2018 eingeführt werden könne, kündigte H+ an.

Gegenüber Verbesserungsvorschlägen will sich der Verband jedoch offen zeigen. "Wir sind gesprächsbereit, um über kritische Einwände aller anderen Tarifpartner zu diskutieren mit dem Ziel, die gute Tarifstruktur noch zu verbessern", sagte der Direktor von H+, Bernhard Wegmüller, auf Anfrage.

Gleichzeitig gab H+ am Donnerstag bekannt, dass der Verband auf Ende Jahr den Tarmed-Rahmenvertrag H+/santésuisse kündigen werde. Damit solle der Handlungsbedarf verdeutlicht werden, heisst es in der Medienmitteilung.

Dadurch wird auch der Spielraum für den Bundesrat vergrössert. Dieser darf eingreifen, wenn sich die Tarifpartner nicht einigen können. Aktuell dürfte er aber nur Eingriffe am jetzigen Tarif vornehmen. Herrscht ein vertragsloser Zustand, hat der Bundesrat mehr Freiheiten.

Ein Eingreifen des Bundesrats will H+ jedoch möglichst verhindern. Mit der Einreichung des Dossiers am Donnerstag hält H+ die Frist ein, die der Bundesrat gesetzt hatte. Innenminister Alain Berset gewährte zwar für die Verhandlungen eine Nachfrist, gleichzeitig machte er aber klar, dass er bereit sei, selbst aktiv zu werden.

Der Ärztetarif Tarmed, mit dem ambulante Leistungen abgerechnet werden, wurde vor zwölf Jahren zum letzten Mal überarbeitet. Anpassungen sind nötig, weil viele Tarifpositionen nicht mehr der Realität entsprechen. So ist etwa die Operation eines grauen Stars dank technischem Fortschritt viel einfacher geworden. Die Entschädigung ist aber immer noch gleich hoch.

Laut H+ ist die neue Tarifstruktur für ambulante medizinische Leistungen "insgesamt viel korrekter, sachgerechter und inhaltlich aktueller" als der heute angewendete Tarmed. Die neue Tarifstruktur erfülle die behördlichen Vorgaben, insbesondere den Grundsatz "keine Mehrkosten bei Modellwechsel".

Genau dies bezweifelt curafutura. Der Krankenkassenverband schätzt, dass die Kosten für medizinische Leistungen trotz Normierung um vier bis fünf Prozent oder rund 500 Millionen Franken steigen könnten. Auch der Krankenkassenverband santésuisse, der nicht an der Revision mitgearbeitet hat, fürchtete einen Kostenschub. Er will einen eigenen Vorschlag einreichen, der auf Pauschalen setzt.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben