zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 29. Juni 2016

Wahlarzt-Rückerstattung: Steirische Ärztekammer sieht Ungerechtigkeit

Geringe Wartezeiten auf einen Termin und keine Verzögerungen in der Ordination haben bei immer mehr Patienten einen hohen Stellenwert. Bei Wahlärzten müssen sie die Leistung zunächst selbst bezahlen, können aber einen Teil der Kosten zurückerstattet bekommen. Eine Ungerechtigkeit bei der Höhe der Rückerstattung haben die Ärztekammer und die steirische AK gegenüber anderen Bundesländern geortet.

Der Anspruch auf einen Rückersatz von 80 Prozent des Kassentarifs stehe im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz, hob der steirische Ärztekammpräsident Herwig Lindner am Mittwoch im Pressegespräch in Graz hervor. "Das ist in der Steiermark jedoch nur in manchen Fällen so. Die steirische GKK lässt über die Einreichungen eine eigene Rechenmathematik mit Deckelungen drüberlaufen, so dass oft nur 15 bis 20 Prozent oder noch weniger rückerstattet werden", sagte Lindner. Bisherige Bemühen, die uneingeschränkte Rückerstattung von 80 Prozent des Kassentarifs seien bisher jedoch ohne Resonanz vonseiten der steirischen GKK geblieben. Darum sei nun die Unterschriftenaktion GePad initiiert worden, mit der man "Gerechtigkeit für Patienten durchsetzen" wolle.

Ärztekammer-Vizepräsident Georg Millauer nannte ein Beispiel für die ungleiche Stellung von steirischen GKK-Versicherten mit Wiener GKK-Versicherten: Der GKK-Tarif für ein 'ärztliches Gespräch' betrage in der Steiermark 13,37 Euro. "Weil die Leistung aber limitiert ist - Kassenärzte dürfen sie nur bei einem bestimmten Prozentsatz der Patienten verrechnen - beträgt der Rückersatz in der Allgemeinmedizin nur 1,92 Euro. 11,45 Euro müssen steirische GKK-Versicherte selbst bezahlen, für Wiener GKK-Versicherte sind es aber nur 2,64 Euro - auch wenn sie in der Steiermark zum Arzt gehen", rechnete Millauer vor. Für SVA-Versicherte seien es 3,49 Euro. Ähnlich schlecht wie die Steirer würden GKK-Versicherte in Tirol und dem Burgenland abschneiden. "Wir wollen gleiches Recht für alle", so Millauer.

Unterstützt wird die Initiative von Arbeiterkammer-Vizepräsident Franz Gosch von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG): "Es ist heutzutage kein Luxus mehr, einen Wahlarzt aufzusuchen, sondern teilweise absolute Notwendigkeit, weil der Ärztemangel bereits spürbar wird. Ich habe jedoch öfter Hinweise bekommen, dass die Rückerstattung sehr, sehr wenig ist." Die Berechnung sei undurchsichtig: "Ein und der selbe Patient bekomme in verschiedenen Zeiträumen verschiedene Rückerstattungen", beschwerte sich Gosch. 2015 habe der Sozialausschuss der AK Steiermark einstimmig beschlossen, an die GKK heranzutreten und mehr Gerechtigkeit für die Patienten zu verlangen.

Alle 641 hauptberuflichen Wahlärzte haben seit wenigen Wochen Unterschriftenlisten, in denen die steirische GKK aufgefordert wird, allen Wahlarztpatienten 80 Prozent des Kassentarifs ohne Abzüge von Degressionen oder Limits zurückzuerstatten. Rund 10.000 Unterstützungserklärungen habe man bereits gesammelt.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben