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APA-Artikel 23. Juni 2016

Sozialversicherungen - Leitl für Grundsatzdiskussion vor Fusion

Die Bundesregierung will die Sozialversicherungsträger reformieren und zusammenlegen. Die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA), die gerade selbst den Veränderungsprozess "SVA 2020" durchläuft, würde ihre Expertise einbringen: "Wir stellen uns gerne zur Verfügung mit unseren Erfahrungen", bot Obmann Christoph Leitl an. Er wünscht sich zuerst eine Grundsatzdiskussion.

In einer Pressekonferenz am Donnerstag stellte Leitl, der auch Wirtschaftskammer-Präsident ist, klar: "Wir waren immer selbst flexibel." Er selbst habe einst davon gesprochen, dass man mit drei Trägern auskommen könnte. Ob dem so sei oder nicht, das sollten nun Studien eruieren: "Wir wissen, dass im Back-Office-Bereich enormes Potenzial drinnen ist." Was der Obmann aber nicht will, ist eine "reine Organisationsdiskussion", wie es bei den Schulen der Fall gewesen sei. Zuerst müsse es eine Grundsatzdiskussion geben: "Was soll eine Gesundheitsversicherung bewerkstelligen?"

Leitl sieht jedenfalls in dem groß angelegten Reformprozess, den die SVA seit vergangenem Jahr durchläuft, ein Positiv-Beispiel. So konnte die Zahl der Abteilungen im Haus trotz steigender Versichertenzahlen halbiert werden. Zudem seien Selbstständige "signifikant" weniger krank und hätten eine höhere Lebenserwartung. Das führte er auch die "aktive Rolle" der SVA zurück - wobei er sich wünschte, dass diese "Best-Practice" werde. Wobei er auch befand, dass "Effizienzverbesserungen immer notwendig und sinnvoll" seien.

Weiters forderte der Obmann von der Politik Rücken- statt Gegenwind, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. So hätte die SVA beispielsweise einst vorgeschlagen, dass Über-65-Jährige, die noch arbeiten, keine Pensionsbeiträge mehr bezahlen sollen. Dies sei jedoch abgelehnt worden, kritisierte er. Auch was das Krankengeld betrifft, das derzeit ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit ausbezahlt wird, wartet man auf ein Okay von oben: "In dem Moment, wo wir von der Politik das grüne Licht haben, gehen wir runter."

Wobei sein Stellvertreter Alexander Herzog auf eine weitere Problematik in diesem Bereich aufmerksam machte: Es gebe zwar das Ziel, es ab dem ersten oder zweiten Tag zu zahlen, jedoch bräuchte es dann den "Prozess der Krankenstandskontrollen", was wiederum die Verwaltungskosten in die Höhe schrauben würde - wo doch besonders diese im Blickpunkt stehen. Denn Ziel sei, so Herzog, das Umsatzwachstum von den Verwaltungskosten zu entkoppeln: Ein Plus von sieben Prozent soll mit konstanten Verwaltungskosten bewerkstelligt werden, rechnete er vor. Dies habe zur Folge, dass die Verwaltungskosten pro Versichertem "degressiv runter gehen".

Die SVA legt außerdem Augenmerk auf die Gesundheit ihrer Versicherten. So gibt es u.a. ein Vorsorgeprogramm, dessen Teilnahme mit einem reduzierten Selbstbehalt - zehn statt 20 Prozent - belohnt wird. Mit diesem Steuerungsinstrument fahre man sehr gut, so Leitl. Man wolle aber diesbezüglich anderen Trägern keine Ratschläge gebe, fügte er hinzu: "Nicht am SVA-Wesen sollst du genesen." Das Angebot wird derzeit von elf Prozent der Versicherten in Anspruch genommen: "Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Versicherter etwas für seine Gesundheit tut."

Nun will sich die Versicherung auch auf die Kunden von morgen konzentrieren. Dazu soll ein Gesundheits-Check Junior für Sechs- bis 18-Jährige eingeführt werden. Derzeit gebe es Verhandlungen mit der Ärztekammer, ein Pilotprojekt in Wien und Niederösterreich habe es bereits gegeben, hieß es. So soll der "Gesundheitshunderter" der SVA in eine Sportwoche in den Ferien investiert werden, "um jungen Menschen eine vernünftige Lebensweise praktisch auf dem Lebensweg mitzugeben", so Leitl. Konkrete Details zum neuen Angebot werden im August präsentiert.

Die SVA ist das zweitgrößte Versicherungsinstitut in Österreich - und darüber hinaus laut Herzog das schnellstwachsende. Die Organisation erfolgt dezentral - es gibt eine Hauptstelle in Wien sowie neun Landesstellen mit weitgehend eigenständigen Aufgaben. Das SVA-Budget beträgt im heurigen Jahr rund 4,9 Mrd. Euro. Davon entfallen rund 3,7 Mrd. auf die Pensionsversicherung und rund 1,1 Mrd. Euro auf die Krankenversicherung. Für das Pflegegeld sind 144 Mio. Euro vorgesehen.

apa.at

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