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APA-Artikel 21. Juni 2016

Generation Y wirkt sich auch bei Ärztinnen aus

Der ehemals enorme Konkurrenzkampf für jungen Ärztinnen mit ihren männlichen Kollegen während der Klinikausbildung wird geringer. Die Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit bleiben aber. Dies betonten Vertreterinnen der Organisation der Ärztinnen Österreichs am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Anlass war der bevorstehende Welt-Ärztinnenkongress (28. bis 31. Juli) in Wien. Erwartet werden bis zu rund 1.000 Teilnehmerinnen. Ärztinnen-Organisationen gibt es mit Pionieren in den USA und auch in Österreich seit 1919. Der Kongress findet nach 1931 und 1968 zum dritten Mal in Österreich statt. Die "Generation Y", Gewalt und Gendermedizin stehen im Mittelpunkt.

Man sei überrascht gewesen, dass das Thema Gewalt derartigen Widerhall mit einer Vielzahl eingereichter Abstracts gefunden habe, sagte Alexandra Ciresa-König Fachärztin für Geburtshilfe an der Universitäts-Frauenklinik in Innsbruck. "Aber 35 Prozent der Frauen weltweit durch alle sozialen Schichten und ethnischen Gruppen leiden unter häuslicher Gewalt."

Zu sexueller Gewalt und Gewalt ganz allgemein in der Partnerschaft werde offenbar auch Gewalt gegen alte Menschen und im Rahmen der Flüchtlingsbewegungen immer offenbarer, hieß es. "Frauen auf der Flucht sind besonders Gewalt bedroht", sagte Edith Schratzberger-Vecsei, Allgemeinmedizinerin und Präsidentin der Organisation der Ärztinnen in Österreich. In vielen Fällen kommt es auf das Verhalten von Ärztinnen und die richtigen Fragen an, um Verdachtsfälle zu enthüllen.

Rund um Globalisierung und die vielen Flüchtlinge kämen auch noch zum Teil enorme Kommunikationsschwierigkeiten hinzu, sagte Alexandra Ciresa-König, welche die Einführung der Möglichkeit zum Zurückgreifen auf einen Video-Dolmetschdienst an ihrer Abteilung als sehr positiv begrüßte. "Es geht um die richtige Frage. Und wir fragen oft gar nicht." Wichtig wäre es jetzt, dass die Sozialversicherung Dolmetschdienste auch in den Arztpraxen ermögliche, sonst gingen alle diese Patienten in die Krankenhäuser. "Spitalsmedizin ist teure Medizin", sagte die Ärztin.

Ein großes Thema sind auch die gesellschaftlichen Veränderungen im Ärztestand. "Die Generation Y ist anders. Sie ist anders aufgewachsen, sie ist in der Arbeit anders. Es ist die erste Generation, die nicht damit rechnen kann, den Wohlstand der Eltern zu erreichen", sagte Edith Schratzberger-Vecsei.

Gleichzeitig sind die Ansprüche an das Arbeitsleben höher geworden, das gelte auch für die Ausbildung und die Work-Life-Balance. "Wir sind noch alle im Konkurrenzkampf (mit den Männern; Anm.) groß geworden", ergänzte Pia Veronika Vecsei-Marlovits, Chefin der Augenabteilung am Krankenhaus Hietzing in Wien. In Wien seien mittlerweile bereits 30 Prozent der Führungspositionen im KAV mit Frauen besetzt. Auf nächst-unteren Ebene, bei den Ärzten in Ausbildung, dominieren zu einem guten Teil bereits die Frauen.

Doch weil sich die ärztliche Ausbildung gerade in jenem Lebensalter abspielt, in dem es um Familiengründung geht, ergibt sich für diese Frauen erst Recht die Frage der Balance zwischen Beruf und Privatleben. Der Umstand, dass sich die fertigen Medizinstudenten mittlerweile ihre Ausbildungsstellen aussuchen können, hat auch den an sich guten Effekt, dass sie mehr auf die Lebensqualität achten können. In der Betonung der Work-Life-Balance gibt es zwischen jungen Ärztinnen und Ärzten kaum Unterschiede. Das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte habe sich in diesem Bereich positiv ausgewirkt, hieß es bei der Pressekonferenz.

apa.at

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