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APA-Artikel 21. Juni 2016

Akademisierung der Pflege - Leiden die PatientInnen?

Die klassische Pflegeausbildung hat ausgedient, die neu eingeführte Ausbildung zum Bachelor führt zu einer Akademisierung der Pflege. Ist das nur ein Vorteil oder auch ein Nachteil? Der Großteil der Pflegekräfte sieht gegenwärtig keinen Vorteil. Eine Studie der IIR GmbH zeigt: 49 % der befragten Pflegekräfte erwarten sich keine Verbesserung, nur 27 % gehen von einer positiven Entwicklung aus und der Rest ist unentschlossen. Die größten Skeptiker unter den anderen Berufsgruppen im Spital sind die ÄrztInnen, während das Verwaltungspersonal der Entwicklung positiver gegenüber steht.

Weg vom Krankenbett, hin in die OrganisationDie Meinung in Hinblick auf die Akademisierung ist gespalten. Viele Befragte befürchten, dass es zu einer Verlagerung der Ressourcen kommt - weg vom Krankenbett, hin in die Organisation. Somit gehen sie von einer Situationsverschlechterung für die PatientInnen aus. Die Befragten denken, dass das diplomierte Pflegepersonal schon jetzt sehr gut, vor allem mit hohem Praxisbezug, ausgebildet ist und dass genau diese Nähe zu den PatientInnen durch die neue Ausbildung leiden wird. Ein weiteres Gegenargument ist, dass die direkte Arbeit am Krankenbett dann von weniger qualifizierten PflegefachassistentInnen übernommen wird. Andererseits kann laut den Befragten der Berufstand durch die Akademisierung aufgewertet werden, da der Pflege bisher nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht wurde. Da auf die Pflegekräfte immer mehr Aufgaben zukommen, kann eine fundierte theoretische Ausbildung durchaus von Vorteil sein. Dies gilt jedoch nur, wenn die neuen akademisierten Pflegekräfte direkt am Krankenbett eingesetzt werden und nicht nur organisatorische Aufgaben übernehmen.

Mangelnde Ressourcen bei den ÄrztInnen - kann die Pflege einspringen?Die Ansprüche an die Pflege haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Viele Tätigkeiten von ärztlicher Seite sind von den Pflegekräften übernommen worden. Hier kann die Akademisierung einen wichtigen Beitrag für die gewünschte Kompetenz leisten. Jedoch scheitert es oft an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Aufgaben, die die Pflegekräfte sehr gut übernehmen könnten, sind ihnen im Moment (noch) nicht erlaubt. Hier muss es ein Umdenken des Gesetzgebers geben, um langfristig die vorhanden Ressourcen optimal einzusetzen. Die Praxis wird zeigen, wie es sich entwickelt und ob die Ausbildungsreform zu einer Verbesserung der PatientInnenversorgung führt.

Über die StudieDie IIR GmbH befragt jährlich über 300 KrankenhausmitarbeiterInnen zu den brennendsten Fragen des Gesundheitswesens. Im Rahmen des IIR Krankenhaus-Vertrauensindexes (KHVI) wird im ersten Schritt erhoben, ob sich die Angestellten im eigenen Krankenhaus behandeln lassen würden, um eine Aussage über die Qualität der österreichischen Gesundheitsversorgung treffen zu können. Wie auch im letzten Jahr gibt es auf die Frage eine breite Zustimmung: 87 % aller Befragten wählen "ja" oder "eher ja". Der Vorjahreswert lag bei nahezu identen 86 %. Allerdings haben sich seit der letzten Erhebung im Mai 2015 die Werte innerhalb dieser beiden Kategorien von "ja" (59 % statt 61 %) in Richtung "eher ja" (28 % statt 25 %) verschoben. Der IIR Krankenhaus-Vertrauensindex (KHVI) beträgt aktuell 162,1 Punkte. Seit der letzten Befragung ist er um 1,9 Punkte gefallen. Das bedeutet nur einen leichten Vertrauensverlust auf insgesamt hohem Niveau.

Details unter www.iir.at/kh-index

apa.at

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