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APA-Artikel 20. Juni 2016

Medizinische Behandlung 2 - Substitutions- und HCV-Therapie

Für Wiener Suchtkranke, für welche diese Behandlung gegen HCV infrage kommt, soll das in möglichst großem Umfang erfolgen. Die Suchthilfe Wien, die gerade ihr 25 Jahre langes Bestehen gefeiert hat, startete mit dem Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital, Michael Gschwantler, und in Zusammenarbeit mit dem Verein Dialog ein zukunftsweisenden Projekt.

Die Aktivitäten wurden durch mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen in ihrem Erfolg gut dokumentiert. Es gibt dazu auch schon Publikationen in wissenschaftlichen Journalen über das Projekt der HCV-Behandlung von Opiatabhängigen in Substitutionstherapie.

"Wir bieten schon lange die Testung auf eine HCV-Infektion an. Bei einem positiven Befund erfolgt ein Aufklärungsgespräch, wie eine Übertragung des Virus am besten verhindert werden kann. Für eine mögliche Therapie der Hepatitis C haben wir drei Gruppen von Patienten definiert. Die erste Gruppe ist stabil in Substitutionstherapie und kann Termine und die Medikamenteneinnahme so regelmäßig wahrnehmen, dass sie ohne weiteres an einem auf Lebererkrankungen spezialisierten Zentrum behandelt werden kann", sagte der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte Hans Haltmayer.

Bei einer weiteren Gruppe ist wegen deren spezifischer Problematik und Instabilität eine Behandlung derzeit nicht möglich. Doch es gibt noch eine dritte Gruppe. Haltmayer sagte: "Diese Kranken sind zwar sehr stabil in der Substitutionstherapie und holen sich in der Apotheke verlässlich ihre Medikamente, sie bringen aber aufgrund ihrer prekären sozialen Situation, zu der auch Obdachlosigkeit gehören kann, und wegen zusätzlicher psychischer Erkrankungen nicht die erforderliche Stabilität für die Behandlung der Hepatitis C in einer Spitalsambulanz auf."

Gemeinsam mit Gschwantler wurde deshalb ein eigenes Programm für diese Personen entwickelt. "Diese Patienten holen wir für die zwei bis drei Monate dauernde Hepatitis-Therapie gemeinsam mit ihrer Substitutionsbehandlung in die Suchthilfe Wien. Sie bekommen jeden Tag ihr Substitutionsmedikament und gleichzeitig die Tablette(n) für die Behandlung der Hepatitis C." Der Pharmakonzern Gilead als Entwickler und Hersteller solcher Präparate hat dazu einen Beitrag geleistet und Medikamente kostenlos zur Verfügung gestellt. Somit kann die Behandlung auch bei Personen erfolgen, welche keinen Anspruch auf Kostenerstattung durch die Sozialversicherung haben.

Die Erfolge sprechen für das Programm. Der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte erzählte: "Wir haben bisher 59 Patienten behandelt. Es wurden 3.662 Einzeldosen der Medikamente gegen die Hepatitis C verabreicht, davon 3.660 eingenommen - das sind 99,9 Prozent. Von 30 Patienten waren bei der Kontrolle drei Monate nach Therapieende - sie gilt als Messpunkt für die Heilung - 30 geheilt. Das entspricht einer Erfolgsrate von hundert Prozent." Dabei hatten schon 15 der 59 Patienten eine Leberzirrhose und vier von ihnen zusätzlich eine HIV-Infektion.

Das System funktioniert ähnlich wie es bei der Behandlung der Tuberkulose in Ländern erfolgt, wo die regelmäßige Einnahme der Medikamente über längere Zeit hinweg nicht sicher ist. Es heißt "DOTS", was im Englischen eine Therapie unter direkter Beobachtung der Einnahme bedeutet. "An sich wäre es sinnvoll, wenn wir möglichst viele unserer Patienten mit chronischer HCV-Infektion gleichzeitig behandeln und damit ausheilen könnten, weil dann die Möglichkeit weiterer Infektionen in diesem Personenkreis sinken würde", meinte Haltmayer. Doch dafür sind derzeit vor allem aus Kostengründen die Voraussetzungen nicht vorhanden.

Die Voraussetzung für das alles ist aber die Gewährleistung einer möglichst niederschwelligen und effektiven medizinischen Behandlung der Opiatabhängigen. "Dabei hat es in den vergangen 25 Jahren große Fortschritte gegeben. Im Vergleich zu den Anfängen wurde auch im niedrigschwelligen Bereich ein hochspezialisiertes medizinisches Angebot aufgebaut. Auch die Substitutionsbehandlung ist viel differenzierter und effizienter geworden", sagte Haltmayer. Das hätte erst die Basis für die Möglichkeiten geschaffen, auch die HCV-Problematik therapeutisch anzugehen.

apa.at

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