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APA-Artikel 20. Juni 2016

Medizinische Behandlung könnte Hepatitis C bei Suchtkranken beenden 1

Laut den Daten der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle sind rund 50 Prozent der Opiatabhängigen mit intravenösem (i.v.)Konsum in Österreich Hepatitis C-infiziert. Ein mittlerweile international beachtetes Projekt in Wien könnte dabei helfen, diese Problematik zu beenden.

"Das Problem der hohen Hepatitis-C-Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) gibt es seit Jahren. Die HIV-Problematik ist dagegen zurückgegangen. Rund 50 Prozent der i.v.-Drogenkonsumenten hatten in Österreich eine Hepatitis-C-Infektion, die Hälfte davon entwickelt eine chronische Infektion", sagte der Beauftragte für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Hans Haltmayer, gegenüber der APA.

Die Hepatitis C wird vor allem unter Opiatabhängigen über kontaminierte Spritzen übertragen. Ein hoher Anteil der chronisch Kranken leidet an zunehmenden Leberschädigungen mit Zirrhose, Leberversagen oder Karzinomen als Folge. "Die beste Möglichkeit, alles das zu verhindern, ist natürlich die Verhütung der Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV). Dazu gehört neben der Substitutionstherapie auch das niederschwellige Angebot von Spritzentausch und Tests auf HCV", sagte der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte.

Seit vielen Jahren waren und sind Spritzentauschprogramme ein geeignetes Mittel zur Verhinderung weiterer Infektionen. In Österreich funktioniert das in einigen Ballungszentren, zum Beispiel in Wien. Sterile Einwegspritzen werden an die i.v.-Suchtmittelabhängigen abgegeben - und bei Retournierung kostenlos ausgetauscht. Haltmayer sagte dazu: "Die Rücklaufquote beträgt 98 Prozent."

Doch wenn einmal eine Hepatitis-C-Infektion erfolgt ist, geht es um etwas anderes: um die Behandlung zur Verhinderung von Komplikationen und um die seit dem Vorhandensein hoch effektiver Arzneimittel mögliche Ausheilung der Krankheit. Das könnte auch ein weiteres Infektionsrisiko verhindern.

"Die meisten der von HCV betroffenen Patienten stecken sich schon binnen eineinhalb bis zwei Jahren problematischen Opiatkonsums an. Die chronische Infektion verläuft in der Regel über viele Jahre ohne schwerwiegende Folgen. Infolge von Begleiterkrankungen wie HIV-Infektion oder Alkoholabhängigkeit sehen wir aber früher Suchtmittelabhängige mit Folgeschäden", sagte der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte.

Bisher war eine die chronische Hepatitis C ausheilende Therapie mit pegyliertem Interferon-Alpha und dem synthetischen Wirkstoff Ribavirin bei diesen Patienten kaum anwendbar. Vor allem bei Leberzirrhose war das Interferon für die schon geschädigte Leber gefährlich, Nebenwirkungen wie das Verstärken von depressiven Symptomen und chronische Müdigkeit trafen gerade die Suchtkranken besonders.

Das hat sich grundsätzlich geändert. Haltmayer sagte: "Die medikamentöse Behandlung der Hepatitis C mit neuen direkt gegen das Virus wirkenden Medikamenten in Tablettenform ist faktisch ohne Nebenwirkungen und hat einen großen Fortschritt gebracht." Aus klinischen Studien weiß man, dass die Ausheilungsrate nach zwei bis vier Monaten Therapie 96 bis hundert Prozent beträgt. Mit den neuen, jedoch sehr teuren Arzneimitteln, ließe sich erstmals weltweit die Hepatitis C in absehbarer Zeit besiegen.

Für Wiener Suchtkranke, für die diese Behandlung infrage kommt, soll das in möglichst großem Umfang erfolgen. Die Suchthilfe Wien, die gerade ihr 25 Jahre langes Bestehen gefeiert hat, startete mit dem Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung im Wilhelminenspital, Michael Gschwantler, und in Zusammenarbeit mit dem Verein Dialog das mittlerweile auch durch mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen in seinem Erfolg gut dokumentierte Projekt der HCV-Behandlung von Opiatabhängigen in Substitutionstherapie.

185 Millionen Menschen sind weltweit mit Hepatitis C infiziert. 50 bis 80 Prozent der Infektionen werden chronisch. Nach 20 Jahren haben 15 bis 20 Prozent der Patienten eine Leberzirrhose. Jedes Jahr erkranken dann fünf Prozent dieser Menschen an Leberkrebs.

apa.at

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