zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 17. Juni 2016

Ethikratschef Dabrock warnt vor unumkehrbaren Eingriffen ins Erbgut

Medizinisch ist vieles möglich - nicht alles sollte auch gemacht werden, sagt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock. Und sagt, wann es ethisch problematisch wird.

Bei medizinischen Eingriffen in das menschliche Erbgut rät der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, zu Zurückhaltung. Diese müssten so vorsichtig vorgenommen werden, dass sie bei Auftreten von Komplikationen wieder umkehrbar sind, sagte der Theologe aus Erlangen der Deutschen Presse-Agentur. "Es wird immer dort ethisch problematisch, wo etwas irreversibel in der Keimbahn verändert wird."

In diesem Bereich müssten weltweite Lösungen gefunden - andernfalls könnten tödliche Nebenwirkungen auftreten. Andere Nebenwirkungen zeigten sich gegebenenfalls erst nach Jahrzehnten, sagte Dabrock. Auch dann müssten die Eingriffe noch rückgängig gemacht werden können. Bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats am kommenden Mittwoch in Berlin diskutieren mehr als 500 Menschen über die neuen Möglichkeiten im Zugriff auf das menschliche Erbgut. Dabrock wurde im April zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt, das Bundesregierung und Bundesrat berät.

Auch in Bezug auf die Datensammelwut großer Digitalkonzerne wie Google und Facebook fordert Dabrock eine weltweite politische Lösung. "Das Internet ist eine globale Veranstaltung." Schon jetzt stelle der Einfluss dieser Unternehmen eine "Herausforderung für die Demokratie" dar, weil diese zum Teil mehr Macht hätten als die Staaten selbst. Deshalb müssten Politiker auf der ganzen Welt gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen, die die Datensouveränität des Einzelnen wieder herstellen. "Diese Sensibilität auf der Ebene der internationalen Politik gibt es einfach noch nicht."

In aktuellen Debatten wie jener um die Flüchtlingskrise beklagt der Theologe von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zudem eine Verrohung der Sitten - und fordert mehr Bereitschaft zum Kompromiss. "Wir haben immer mehr Lautschreier." Und immer weniger Gruppen wollten wahrhaben, dass es in einer komplexen Welt nur selten einfache Lösungen gibt. "Der Stil bringt noch nicht die Lösung, aber Stillosigkeit erschwert jeden Lösungsweg."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben