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APA-Artikel 13. Juni 2016

Deutsches Rettungs-Know-how für China - Steiger-Stiftung federführend

Ungewöhnlicher Einsatz in Fernost: Deutsche Experten sollen helfen, in China ein funktionierendes Rettungswesen aufzubauen. Bislang müssen Patienten dort ihre Rettung selbst bezahlen.

Die Björn Steiger Stiftung soll in China ein komplettes Rettungssystem nach deutschem Vorbild planen, aufbauen und betreiben. An diesem Montag werden in Peking die entsprechenden Verträge unterzeichnet, wie Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger in Winnenden bei Stuttgart mitteilte. Die Pilotphase beginne im begrenzten Stadtzentrum der Millionenmetropole Jieyang in Südchina, Ende 2017 solle dort eine erste Rettungsleitstelle in Betrieb genommen werden. Bis dahin gelte es, die Gebäude vorzubereiten, Notfallretter auszubilden, auf das deutsche System zu schulen und die nötigen Einrichtungen und Fahrzeuge und Hubschrauber zu beschaffen.

Das System soll dann in den Folgejahren immer weiter ausgedehnt werden. 550 000 Einwohner habe das Stadtzentrum Jieyang, im ersten Quartal 2018 solle die Kapazität auf einen weiteren Stadtbezirk mit weiteren 500 000 Einwohnern erweitert werden, hieß es. In weiteren Schritten soll die gesamte Stadt mit 7,5 Millionen Einwohnern und nach und nach die Provinz Guangdong mit geschätzt 125 Millionen Menschen erschlossen werden. Steiger spricht von einer "Blaupause für China".

"In China gibt es kein funktionierendes System", berichtete der Sohn von Stiftungsgründer Siegfried Steiger. China habe sich schon vor Jahren dafür entschieden, dem deutschen Vorbild zu folgen, was auch in Absichtserklärungen mit der Bundesregierung festgehalten worden sei. Das Bundesgesundheitsministerium habe die Steiger-Stiftung mit der Federführung beauftragt. Zielvorgabe sei, 95 Prozent aller medizinischen Notfälle innerhalb von 15 Minuten erreichen zu können. Das chinesische Personal wird teilweise direkt bei der deutschen Stiftung angestellt. Das Management werde mit Europäern besetzt.

Nach dem bisherigen System in China würden Rettungseinsätze dem Notfallpatienten in Rechnung gestellt. "Bislang ist das ein Service, der direkt vom Patienten zu 100 Prozent bezahlt werden muss." Die Stiftung habe ihr Engagement davon abhängig gemacht, so Steiger, dass die Behandlung von Notfallpatienten nicht an der Vermögenslage scheitern dürfe. "Jeder wird behandelt. Es gibt keine Rechnung", laute die Philosophie der Stiftung.

Erste Ideen für China habe es in der Stiftung schon in den 1980er-Jahren gegeben, berichtete Pierre-Enric Steiger. Seine Eltern Ute und Siegfried hatten die Stiftung nach dem tragischen Unfalltod ihres Sohnes Björn im Juli 1969 in Winnenden nahe Stuttgart ins Leben gerufen und Anfang der 70er-Jahre begonnen, bundesweit Notrufsäulen aufzustellen. Auch die DRF Luftrettung wurde von der Stiftung gegründet.

apa.at

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