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APA-Artikel 10. Juni 2016

Spitalsinfektionen könnten halbiert werden

Die Häufigkeit von Spitalsinfektionen (nosokomiale Infektionen) könnte halbiert werden. Ein Beispiel aus Dänemark dafür wurde Donnerstagabend bei einem Expertengespräch in Wien präsentiert. Nach wie vor gibt es offenbar Nachholbedarf bei der Überwachung der Hygiene- und Mikrobiologiesituation in den österreichischen Spitälern.

"In Kopenhagen und im umliegenden Großraum Kopenhagen lebt rund ein Drittel der dänischen Bevölkerung. Es gibt elf Krankenhäuser. Die dänischen Spitäler werden von Politikern, Managern und von den dort Tätigen geführt. Die haben 2010 den Entschluss gefasst, die Rate der im Krankenhaus erworbenen Infektionen zu halbieren. (...) Das betrachteten wir selbst als ein sehr hochgestecktes Ziel", sagte Bettina Lundgren vom Rigshospitalet Kopenhagen bei dem Round-Table-Geespräch der Initiative Sicherheit im OP und der Plattform Patientensicherheit.

In Dänemark tat man das, was weltweit als Standard für das Zurückdrängen der unnötigen bis lebensgefährlichen zusätzlichen bakteriellen Infektionen in Krankenhäusern gilt. Man etablierte ein Surveillance-System und wertete die verschiedenen Datenbanken aus. Die Hygienemaßnahmen wurden intensiviert, der Antibiotikagebrauch optimiert. Das Ergebnis, das innerhalb von vier Jahren erreicht werden konnte, stellte Bettina Lundgren so dar: "Bei den beatmeten Patienten in Intensivstationen konnte die Häufigkeit von Pneumonien halbiert werden. Die Clostridium difficile-Infektionen wurden regional um 30 Prozent, in manchen Spitälern um 50 Prozent reduziert."

C. difficile-Infektionen in Krankenhäusern sind mit einer hohen Mortalität und einer hohen Rückfallsrate vor allem bei über 75-jährigen Patienten verbunden. Die dänische Expertin wies darauf hin, dass man nun daran arbeite, die multiresistenten Keime zurückzudrängen. Dazu versuche man auch, die Verwendung von Breitbandantibiotika zu reduzieren.

Die Basis aller dieser Bemühungen müssen Punkt- und längerfristige Erhebungen sein, was die Häufigkeit von Spitalsinfektionen anlangt. "Ohne Surveillance können sie's (das gehäufte Auftreten solcher Infektionen; Anm.) nicht kennen", sagte Franz Allerberger, Bereichsleiter für Humanmedizin der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Auf diesem Gebiet sind in Österreich ganz klar Defizite vorhanden. Zwar nehmen rund 50 auch orthopädisch-chirurgisch Krankenhäuser an einem Projekt mit einer regelmäßigen Surveillance auf das Vorkommen solcher nosokomialen Infektionen nach solchen Eingriffen teil, doch flächendeckend und alle potenziell betroffenen Spitalsabteilungen umfassend ist das nicht. Nur rund zehn österreichische Krankenhäuser beteiligen sich derzeit an einem freiwilligen System zur Meldung von C. difficile-infektionen. "Wir haben rund 2.700 (laut Krankenhausfinanzierung; Anm.) abgerechnete C. difficile-Fälle, davon 235 Todesfälle", sagte Allerberger. Aber als Mikrobiologie-Warnsignal tauchen diese Erkrankungen zum größten Teil nicht auf, was deren Bekämpfung erschwert. Die Mortalität kann immerhin bei rund 25 Prozent liegen.

Zur Gesamtbelastung durch nosokomiale Infektionen wurden in den vergangenen Jahren an zwei Stichtagen Untersuchungen zur "Punkt-Prävalenz" (Häufigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt) vorgenommen. Bei der letzten derartigen Untersuchung im vergangenen Jahr mit rund 50 Spitälern und 13.814 untersuchten Patienten zeigte sich eine Häufigkeit solcher Infektionen von im Durchschnitt 5,3 Prozent (2,3 bis 8,6 Prozent je nach Krankenhaus). Österreich dürfte international bei dieser Problematik im Mittelfeld liegen. Es gibt damit Platz für Verbesserungen.

apa.at

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