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APA-Artikel 9. Juni 2016

CH: Tarmed: Ärzte riskieren Eingreifen des Bundesrates

Die Revision des Ärztetarifes Tarmed ist auf der Zielgeraden - doch nun haben sich die Mitglieder der Ärzteverbindung FMH in einer Urabstimmung gegen die Anpassung ausgesprochen. Die Ärzte riskieren damit ein Eingreifen des Bundesrates.

Eigentlich sollte die neue Tarifstruktur dem Bundesrat Ende Juni zur Genehmigung vorgelegt werden. Diese Option ist nach dem klaren Nein der über 15'000 Ärzte aber vom Tisch. Wie es weitergeht, ist derzeit noch offen.

Der Bundesrat kann den Ärzten einen Aufschub gewähren oder selber Eingriffe am jetzigen Tarif vornehmen. Vor letzterem warnte FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel bereits vor der internen Abstimmung. Ein sogenannter Amtstarif werde "sicher nicht zu Gunsten der Ärzteschaft ausfallen."

Doch auch bei einem Aufschub wird die Lösungsfindung für die FMH nicht einfach. Denn die Revision muss gemäss Vorgaben des Bundes kostenneutral erfolgen. Die FMH-Mitglieder stellten in ihrer Abstimmung aber klar, dass sie nicht bereit sind, die Kostenneutralität dauerhaft zu akzeptieren. "Selbst wenn wir einen Aufschub erhalten, bleibt eine mehrheitsfähige Lösung eine Quadratur des Kreises", sagte Stoffel am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Der Ärztetarif Tarmed, mit dem ambulante Leistungen abgerechnet werden, wurde vor zwölf Jahren zum letzten Mal überarbeitet. Anpassungen sind nötig, weil viele Tarifpositionen nicht mehr der Realität entsprechen. So ist etwa die Operation eines grauen Stars dank technischem Fortschritt viel einfacher geworden. Die Entschädigung ist aber immer noch gleich hoch.

Seit 2010 arbeitete die FMH gemeinsam mit dem Spitalverband H+, den Unfallversicherern und dem Krankenkassenverband curafutura an der Tarmed-Revision. Anfang April starteten die Genehmigungsverfahren in den Organisationen. Anders als die FMH hat der Spitalverband H+ der neuen Tarifstruktur deutlich zugestimmt.

Nicht an der Revision mitgearbeitet hat die santésuisse. Der Krankenkassenverband fürchtet einen Kostenschub. Zwar sieht der vorliegende Entwurf einen Korrekturmechanismus zum Zeitpunkt der Tarifeinführung vor. Dieser soll die vom Bund geforderte Kostenneutralität des Systems garantieren.

Die santésuisse fordert aber eine regelmässige Anpassung der Tarife. So soll verhindert werden, dass Ärzte immer mehr Leistungen abrechnen und damit die Krankenkassenprämien in die Höhe treiben.

apa.at

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