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APA-Artikel 2. Juni 2016

Pflege-Führungskräfte stoßen an Belastungsgrenzen

Die Führungskräfte im österreichischen Krankenpflegewesen stoßen an ihre Belastungsgrenzen. Die Ursache liegt in zunehmenden ökonomischen Zwängen und ständig laufenden Veränderungsprozessen, ohne dass das Top-Management die Ressourcen für Managementaufgaben zugesteht. Das hat eine Umfrage unter 1.577 Betroffenen ergeben, die am Donnerstag in Wien präsentiert worden ist.

"Es werden Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen. Sie sind dann vor Ort umzusetzen - mit immer weniger Ressourcen", sagte Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV).

Insgesamt steigt der Pflegebedarf durch den demografischen Wandel und das längere Überleben Schwerst- und Vielfachkranker. Die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern sinkt. "Die zunehmende Multikulturalität unter den Mitarbeitern sowie unter den Patienten führt zu neuen Herausforderungen", sagte die Wirtschaftspsychologin Annelies Fitzgerald (health care communication), die mit ihrem Team die Befragung von Führungskräften aus dem Pflegewesen mit 889 ausgewerteten Fragebögen durchgeführt hat. "Wir müssen bedenken, dass sich die Lage (im Spitals- und Pflegebereich; Anm.) in den letzten Jahren sehr zugespitzt hat. Die Ressourcen sind gleich geblieben oder gekürzt worden. Dieser 'Spagat' führt die Führungskräfte an die Grenzen ihrer Belastbarkeit."

Alexander Engelmann, der die Umfrage operativ umgesetzt hat, betonte, dass Personalstand und Qualifikation des Personals von Pflege-Führungskräften mit einem Wert von mehr als fünf auf der sechsteiligten Skala als Priorität angesehen wurde. "Ethnische Bedürfnisse" von Patienten und Beschäftigten seien ebenfalls wichtig. Die zum Teil hohen Altersunterschiede innerhalb von Pflegeteams wurden mit Werten von knapp unter fünf ebenfalls in ihrer Wertigkeit hoch beurteilt.

Die womöglich wichtigste Aussage, welche die Top-Verantwortlichen im Spitalsmanagement (Krankenhausträger) und auch in jenen Organisationen, welche die ambulante Pflege organisieren, wohl beachten sollten, wie Engelmann sagte: "Es ist nicht die Führungsarbeit an sich oder die Arbeit mit den Patienten, die den Führungskräften am meisten zusetzt. Vielmehr werden die Vielzahl an laufenden Veränderungsprojekten und die ökonomischen Rahmenbedingungen als stärkste Belastung erlebt."

Da die Pflegedirektoren von Spitälern und anderen Einrichtungen, die Abteilungs- und Stationsverantwortlichen in der Pflege zunehmend mit Managementaufgaben betreut werden, geht sich der "Mix" mit der eigentlichen Pflege kaum mehr aus. Dabei gaben fast 80 Prozent der Befragten an, oft oder im hohen Ausmaß Patienten mit Infusionen zu versorgen oder intravenöse Injektionen zu verabreichen. Das Schreiben von EKGs, Blutabnahmen etc. werden derzeit unter dem Aspekt jüngst eingeschränkter Arbeitszeiten für die Ärzte und unter dem Aspekt zunehmend mangelnder Turnusärzte ebenfalls in Richtung diplomiertem Krankenpflegepersonal verschoben.

Zusätzlich droht für die nächsten Jahre eine ähnliche Entwicklung wie bei der Ärzteschaft: die Pensionierungswelle der 1950er- und 1960er-Jahrgänge rollt. "Diese Personen stehen für die Versorgungsprozesse nicht mehr zur Verfügung", sagte Ursula Frohner. "Es geht um die Führung von mehr als 65.000 Angehörigen des Pflegepersonals in Österreich. Mehr als 70 Prozent der Befragten waren über 40 Jahre alt", fügte Karl Schwaiger, Vizepräsident des ÖGKV, hinzu.

apa.at

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