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APA-Artikel 27. Mai 2016

Streit zwischen Ärzten und Optikern eskaliert

Der Streit zwischen den österreichischen Optikern und den Augenärzten rund um die Information der Patienten auch über Brillen etc. eskaliert. Scharfe Kritik kam am Donnerstag aus der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zu den Vorwürfen der Optiker, wonach die Ende 2015 novellierte Werberichtlinie der Ärzte der Korruption Tür und Tor öffne, hieß es in einer Aussendung der ÖÄK.

"Es steht den Optikern nicht zu, die Standespflichten der Ärzte zu interpretieren. Die angesprochenen Verhaltensregeln wurden von der Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer als Verordnung beschlossen und von der zuständigen Aufsichtsbehörde – dem Gesundheitsministerium – genehmigt", wurde der ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Johannes Steinhart, zitiert.

Der Hintergrund der Kritik liegt in einer Neufassung der Verordnung der Österreichischen Ärztekammer über die "Art und Form zulässiger Informationen in der Öffentlichkeit" vom Dezember 2015. Darin wird den Ärzten die "sachliche, wahre und das Ansehen der Ärzteschaft nicht beeinträchtigende Information über Arzneimittel, Heilbehelfe und sonstige Medizinprodukte sowie über deren Hersteller und Vertreiber in Ausübung des ärztlichen Berufes" erlaubt. Die Augenoptiker meinen, dies sei auf die Augenärzte gemünzt, die stark in den Brillenmarkt eindringen wollten. Dadurch nehme das "Shop-in-Ordi-Konstrukt" zu. Seit Inkrafttreten der Novellierung gebe es schon vermehrte Gewerbeanmeldungen von Augenärzten für den Handel von Medizinprodukten. Optiker-Bundesinnungsmeister Anton Koller hatte am Mittwoch in einer Aussendung davon gesprochen, die neue Verordnung öffne "der Korruption Tür und Tor".

Ganz anders sah das am Donnerstag die ÖÄK. Auch Ärzten stünde es zu, Gewerbeberechtigungen zu beantragen und ein Gewerbe ordnungsgemäß auszuüben. ÖÄK-Vizepräsident Steinhart verwies auf auch auf einen heiklen Punkt in dem Streit: Die Kontrahenten - Augenärzte und Optiker - sind nämlich in Sachen Brillen bzw. Gewerbeberechtigungen beide in der Wirtschaftskammer organisiert. "Wenn Ärzte ein Gewerbe ausüben, dann werden sie als Pflichtmitglieder durch die Wirtschaftskammer vertreten. Ich halte es für völlig deplatziert, wenn hohe Vertreter der Wirtschaftskammer gegen eigene Mitglieder vorgehen, wie etwa gegen Augenärzte, die darüber hinaus ein Gewerbe ausüben." Auch diese hätten ein Recht auf den Schutz ihrer gesetzlichen Interessenvertretung, sagt der Ärztevertreter.

Steinhart sprach in der Aussendung am Donnerstag von einer potenziell "klagswürdigen Entgleisung", was die Wortwahl der Optikervertretung angehe. Es handle sich wohl um "plumpe Stimmungsmache" gegen ein aktuelles Gerichtsurteil, das zuungunsten der Optiker in einem Rechtsstreit mit einem Augenarzt ausgefallen sei. In Sachen Abgrenzung der Berufskompetenzen sind zwischen Optikern und Augenärzten offenbar mehrere Gerichtsverfahren im Laufen.

apa.at

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