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APA-Artikel 25. Mai 2016

Schweizer Ärzte präsentieren neue Liste unnötiger Behandlungen

Einige medizinische Behandlungen bringen Patienten keinen Nutzen oder schaden ihnen gar: Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) stellt zum zweiten Mal eine Liste von fünf Massnahmen vor, auf die verzichtet werden sollte.

Die ärztliche Fachgruppe der SGAIM hat während der letzten Monate häufige Behandlungen im stationären Spitalbereich geprüft und Empfehlungen erarbeitet, auf welche davon verzichtet werden kann und sollte. Wie am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Basel bekannt wurde, haben die aufgeführten Massnahmen für Patienten entweder keine Vorteile oder sogar Nachteile.

Auf der Liste stehen Blutentnahmen, Transfusionen, Röntgenuntersuchungen, die Gabe von Schlafmitteln und das Einlegen von Dauerkathetern, wenn dies nur dem Komfort oder zur Überwachung des Urinvolumens bei nicht kritisch kranken Patienten dient.

"Diese Massnahmen bringen für die Behandelten meistens keine Vorteil, aber Risiken mit sich - einschliesslich einer Einschränkung der Lebensqualität", erklärte der Leiter der Fachgruppe, Christoph Meier, an der Medienkonferenz.

Eine der wichtigsten Empfehlungen sei, ältere Menschen während des Spitalaufenthalts nicht zu lange im Bett liegen zu lassen, sondern eine frühe Mobilisation anzustreben. "Diese soll dem raschen Verlust an Muskelkraft und Gangsicherheit vorbeugen und es den Patienten erleichtern, nach der Hospitalisation bald wieder so autonom wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben zu können", so Meier.

Der Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen (DVSP) begrüsste die neue Liste. Wenn sich die Medizin bewusst Überlegungen mache, wie die Lebensqualität insbesondere von älteren, teils schwer kranken Patientinnen und Patienten gefördert werden könne, sei das der richtige Ansatz, sagte DVSP-Präsidentin Erika Ziltener laut einer Mitteilung der SGAIM vom Mittwoch.

Bereits vor zwei Jahren lancierte die SGAIM die Kampagne "smarter medicine" und präsentierte damals eine erste Top-5-Liste für den ambulanten Bereich. Die Diskussion über medizinische Überversorgung, die sich anschliessend unter Fachleuten und in der Öffentlichkeit entspann, stand dieses Jahr auch an der nationalen Gesundheitskonferenz "Gesundheit2020" des Bundes im Fokus.

Viele Ärztinnen und Ärzte wenden die Empfehlungen bereits an, so Jean-Michel Gaspoz, Co-Präsident der SGAIM. Für eine wissenschaftliche Auswertung des Effekts der Listen sei es noch zu früh. "Mit der Kampagne haben wir auch die Entwicklung von Instrumenten zur Evaluation angestossen", sagte Gaspoz.

In Zukunft sollen auch andere ärztliche Fachgesellschaften und das medizinische Personal in die Diskussion um "smarter medicine" involviert werden. Insbesondere Pflegefachkräfte sollen in die Debatte einbezogen werden, da der Verzicht auf bestimmte Massnahmen neue Anforderungen an sie schafft.

apa.at

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