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APA-Artikel 25. Mai 2016

Österreichische Ärztetage - Weniger 2 - Mehr alte Drogenpatienten

Drogenabhängigkeit wird in Zukunft auch ein Phänomen bei älteren Menschen bis ins Pensionsalter sein. "Unter älteren Menschen kommt der Konsum illegaler Drogen ebenso vor in jüngeren Altersgruppen. Der Konsum illegaler Drogen ist in dieser Altersgruppe seltener, doch die Prävalenz (Häufigkeit; Anm.) nimmt zu", stellte der Wiener Experte Gerhard Rechberger anlässlich der Ärztetage in Grado fest.

Ein Grund dafür ist das Faktum der Erfolge mit der Opiat-Substitutionstherapie für Personen mit problematischem Drogenkonsum und dem Injizieren von Heroin etc. "Da es mit Methadon- und anderen Erhaltungsprogrammen inzwischen besser gelingt, Patienten in Behandlung zuhalten und Todesfälle durch Überdosierung zu reduzieren, wird die Zahl der älteren Patienten allmählich ansteigen", betonte der Fachmann. Das ließ sich schon aus den EU-Daten von 2002 und 2005 über die wegen Opiatproblemen behandelten Personen über 40 Jahre ableiten: Ihr Anteil verdoppelte sich innerhalb dieser weniger Jahre von 8,6 Prozent auf 17,6 Prozent.

In Wien waren im Mai 2000 beispielsweise rund 500 Opiatabhängige im Alter über 40 Jahren in Substitutionsbehandlung. Im Mai 2014 waren es etwas mehr als 2.500 Personen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben bereits vor Jahren gezeigt, dass die Ein-Jahres-Sterblichkeit von Personen mit problematischem Heroin- oder Kokainkonsum bei 2,5 bis drei Prozent beträgt. In medizinischer Behandlung sinkt sie auf etwa ein Prozent pro Jahr. Das macht einen immer größeren Unterschied aus, je länger die Drogenabhängigen in Therapie sind.

Ältere Suchtkranke haben aber ganz spezifische Probleme. So wird das soziale Umfeld durch das Versterben von Freunden schneller dünn. Kontakte zur eigenen Familie sind häufiger verloren gegangen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen, oft als gescheitert eingeschätzten Biografie. Oft haben die Betroffenen auch langfristig Schwierigkeiten, in einen Tagesrhythmus zu kommen. Hobbys und Freizeitgestaltung sind ebenfalls ein Problem. Finanzielle Schwierigkeiten sind auch häufig.

Für die Medizin wichtig ist, dass langjährige Drogenabhängige mit problematischem Suchtgiftkonsum oft schon ab 40 Jahren chronische Erkrankungen (Herz-Kreislauf, Lungenprobleme) entwickeln. Sie treffen die Auswirkungen eines ungesunden Lebensstils früher und häufiger. Das wird laut dem Fachmann in Zukunft auch den Bereich von Alters- und Pflegeheimen sowie andere Sozialeinrichtungen beschäftigen (müssen).

Jedenfalls sollten ältere Suchterkrankte genauso wie andere Personen entsprechend ihren gesundheitlichen Problemen behandelt werden. Speziell in Institutionen sollte die Stigmatisierung, die sich infolge der Notwendigkeit auch einer Drogenersatztherapie ergeben kann, möglichst verhindert werden.

apa.at

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