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APA-Artikel 24. Mai 2016

Österreichische Ärztetage - Medizinfehler als häufige Todesursache

Medizinische Fehler sind die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das dokumentierte am Dienstag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 28. Mai) der Wiener Infektionsspezialist Christoph Wenisch mit neuen Studien.

Erst vor kurzem ist im British Medical Journal eine neue Analyse von John Makary, Chirurg an der Johns Hopkins Medizin-University in den USA, erschienen, die im Grunde genommen im gesamten Medizinbereich weltweit die Alarmklingeln läuten lassen müsste. "Medizinische Fehler sind demnach die dritthäufigste Todesursache in den USA. Der medizinische Fehler ist etwas, das wir leugnen. Weil wir alle nicht gern Fehler machen", sagte Wenisch.

Makary hätte die Daten von rund 35 Millionen Patienten analysiert, die in den Jahren 2000 bis 2008 in US-Spitäler aufgenommen worden waren, sagte der Wiener Infektionsspezialist. Es ging um die Analyse, inwieweit vermeidbare medizinische Fehler bei diesen Erkrankten auch zum Tod führten. Das Ergebnis war ziemlich erschreckend. Pro Jahr sterben demnach in den USA rund 250.000 Patienten an vermeidbaren medizinischen Fehlern. Das ist eben der dritte Rang nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit jährlich rund 611.000 Todesfällen und rund 585.000 Todesfällen durch Krebserkrankungen.

Die Ursachen sind komplex. Sie können im Weglassen oder im nicht notwendigen Veranlassen einer Aktion bei der Betreuung von Patienten liegen. Es kann eine falsche Planung für die Betreuung eines Patienten erfolgen oder die richtige Planung falsch ausgeführt werden. Und schließlich sind Viele am Medizinbetrieb beteiligt: Patient, Arzt und Institutionen. Noch ein Problem gibt es: Oft tauchen medizinische Fehler nicht als eigentliche Todesursache auf. Sie dürften in den Mortalitätsstatistiken deutlich unterrepräsentiert sein.

Einen wesentlichen Anteil an den durch die Medizin erst bedingten Schäden für Patienten dürfte die Medikation ausmachen. Wenisch führte eine zweite aktuelle Studienpublikation an, in der Wissenschafter die Situation von 1.016 Patienten analysierten, die in eine Intensivstation aufgenommen worden waren.

Auswertbar waren die Informationen in 743 Fällen (701 Patienten). Bei 173 Aufnahmen in die Intensivstation lag die Ursache in arzneimittelbedingten Problemen (Nebenwirkungen, Interaktionen, Überdosierungen etc.). Davon wären 102 Fälle vermeidbar gewesen, wie sich in der Analyse herausstellte. In den 102 Fällen von Aufnahme in die Intensivstation aus vermeidbarer Ursache lag in 77 Fällen entweder mangelnde Therapietreue der Patienten, Selbstmedikation oder die Einnahme einer falschen Dosierung etc. vor. In 16 Fällen waren die verschriebenen Medikamente zu wenig eingenommen worden, in neun Fällen gab es ein zu viel an eingenommenen Arzneimitteln.

Zwischen 4,6 und 12,1 Prozent der Spitalsaufnahmen insgesamt dürften durch Probleme mit Arzneimitteln bedingt sein. Am häufigsten beteiligt sind an solchen Problemen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gegen Diabetes verschriebene Medikamente bzw. Kombinationen.

apa.at

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