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APA-Artikel 4. Mai 2016

Gesundheitsreferenten fordern Maßnahmen gegen Ärztemangel

Die Gesundheitsreferenten der Länder haben bei ihrer zweitägigen Konferenz in Salzburg über Maßnahmen gegen den Mangel an Allgemeinmedizinern und Notärzten beraten und auch mehr Geld für bestmögliche Therapie von seltenen Krankheiten gefordert. Die Hälfte der Patienten in den Spitalambulanzen wäre im niedergelassenen Bereich besser aufgehoben, sagte LHStv. Christian Stöckl (ÖVP).

Es sei immer schwieriger, niedergelassene Ärzte zu finden, die auch in den ländlichen Region arbeiten, erklärte Gesundheitsreferent Stöckl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Um das Interesse für den Beruf des praktischen Arztes zu fördern, sollte die Allgemeinmedizin ein Kernelement der universitären Ausbildung sein. "Es bedarf auch spezieller Lehrpläne in den Krankenhäusern." Zudem müsse die Ausbildung in Lehrpraxen im klinisch-praktischen Jahr forciert werden. Die Landesgesundheitskonferenz habe die Gesundheitsministerin ersucht, unter Einbindung der Länder und Sozialversicherungsträger ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen den Nachbesetzungsmangel umzusetzen.

"Das Fach Allgemeinmedizin muss an Prestige gewinnen. Es muss klar sein, dass der praktische Arzt eine entscheidende Rolle in der medizinischen Versorgung spielt", betonte Stöckl. Er verwies auf das im Jahr 2012 gegründete Projekt "Salzburger Initiative Allgemeinmedizin", das Seminare, Mentoring und Lehrpraxis umfasst. Zehn bis zwölf Personen pro Jahr würden mit der Ausbildung beginnen. Doch es sollten mindestens 19 sein, "eigentlich bräuchten wir noch mehr", sagte Stöckl. In Kärnten sollten im Jahr 20 Mediziner mit der Ausbildung beginnen, ergänzte Kärntens Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ).

Um jungen Ärzten den Beruf des Allgemeinmediziners schmackhaft zu machen, müssten die Sozialversicherungsträger mit der Ärztekammer entsprechende Verträge ausarbeiten, damit das nicht nur ein Halbtagsjob ist, sagte Prettner. Stöckl meinte, bereits die Hälfte der niedergelassenen Ärzte hätte eine Wahlpraxis, "da muss nachgebessert werden".

Ziel der Gesundheitsreform sei auch, neue Versorgungszentren mit "Best Point of Service" zu schaffen, mit Öffnungszeiten von zwölf Stunden, damit die Patienten nicht in die Krankenhäuser gehen müssen, erklärte Prettner. Der Bund müsse dafür die gesetzlichen Grundlagen liefern. Weiters wünschen sich die Gesundheitsreferenten mehr finanzielle Mittel für den gynäkologischen Bereich und für Patienten mit seltenen Krankheiten. Dafür sei ein zweistelliger Millionenbetrag erforderlich, sagte Prettner. Generell peilten die Gesundheitsreferenten das Ziel an, in den Entscheidungen noch effizienter und schneller zu werden, damit die Bevölkerung deren Umsetzung rasch zu spüren bekomme.

Stöckl ging noch auf den Notärzte-Mangel ein. In den vergangenen Jahren sei es sehr schwer geworden, eine notärztliche Versorgung rund um die Uhr aufrechtzuerhalten. Derzeit könnten Fachärzte die Berechtigung zur selbstständigen Berufsausübung eines Notarztes in der Regel nach Absolvierung einer sechsjährigen Ausbildung erwerben. "Dadurch entsteht beim Nachwuchs eine massive Lücke." Vor allem in den ländlichen Regionen sei eine flächendeckende Notarztversorgung gefährdet. Man erwarte vom Gesundheitsministerium eine Lösung, wie die notärztliche Ausbildung an die neue Ärzte-Ausbildung anzupassen ist. Generell hielt Stöckl fest, dass die Kosten im Gesundheitsbereich nicht explosionsartig in die Höhe schnellen dürften. Eine jährliche Steigerungsrate von 3,6 Prozent wolle man einhalten.

apa.at

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