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APA-Artikel 21. April 2016

Medikamentöse Freiheitsbeschränkung beschäftigt Experten in Salzburg

Etwa 100.000 Österreicher leben derzeit mit der Diagnose Demenz. Bis 2050 soll sich ihre Zahl verdoppeln oder gar verdreifachen. Angesichts dieser Prognosen beschäftigten sich derzeit Experten bei einer Tagung in Salzburg mit Demenz und medikamentöser Freiheitsbeschränkung.

Zwei Tage lang stehen der Umgang mit Medikamenten und internationale Standards beim Monitoring von Sozialeinrichtungen in Zentrum einer von der Volksanwaltschaft organisierten internationalen Veranstaltung. Die Volksanwaltschaft führt derzeit den Vorsitz im Netzwerk südosteuropäischer Einrichtungen, die mit den Aufgaben des Nationalen Präventionsmechanismus (NPM) gemäß dem Zusatzprotokoll zur UN-Antifolterkonvention betraut sind.

Die heikle Schnittstelle zwischen dem verschreibenden Arzt und dem Pflege- und Betreuungspersonal hat Volksanwalt Günther Kräuter mit einer Änderung des Ärztegesetzes im Fokus. Er möchte eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht bei der Verschreibung von freiheitsbeschränkenden Psychopharmaka im Fall von in Heimen untergebrachten Patienten erreichen, sagte Kräuter am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Wenn diese Medikamente als Therapie deklariert werden, müssen sie derzeit nämlich nicht an die Bewohnervertretung in einem Pflegeheim gemeldet werden, sagte Kräuter. Zahlen, wie viele Menschen in Österreich von freiheitsbeschränkender Medikation betroffen sind, gibt es nicht.

Welch großes Thema Multimedikation in den Pflegeeinrichtungen ist, beobachtet der Jurist und Menschenrechtsexperte Reinhard Klaushofer von der Universität Salzburg im Rahmen seiner Tätigkeit im NPM. Er ist regelmäßig bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen dabei. "Wir sehen uns immer auch die Medikamentenschränke an", sagte Klaushofer. Zwischen acht und 15 verschiedene Medikamente pro Patient seien dabei kein Einzelfall.

Im Rahmen der Tagung sollen präventive Maßnahmen und Standards erarbeitet werden, um die Selbstbestimmung der Patienten zu erhalten. Eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegern und Betreuungspersonen ist für Klaushofer dabei ebenso eine Maßnahme wie mehr Orientierungshilfen in Heimen oder aktive Stimulation von Patienten.

Die Einrichtung von Wohngruppen im Seniorenheim Hellbrunn hätte eine Verringerung bei den verwendeten Medikamenten sowie eine Aktivierung der Bewohner gebracht, berichtete Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). Salzburg hat sich vorgenommen, eine demenzfreundliche Stadt zu werden. Dazu gehört beispielsweise die Sensibilisierung von potenziellen Kontaktpersonen, die Schulung von Pflegepersonen oder die Entlastung pflegender Angehöriger. Im September soll ein zweitägiges "Carecamp Demenz" in Salzburg stattfinden.

apa.at

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