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APA-Artikel 20. April 2016

Deutsche Chirurgen kritisieren Ökonomisierung der Spitäler

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) - eine der größten Fachgesellschaft auf diesem Gebiet in Europa- beklagt zunehmende Spannungen zwischen Chefärzten und Klinikgeschäftsleitungen. Wie eine Umfrage des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen ergab, empfindet fast ein Drittel der leitenden Krankenhausärzte Konflikte als besonders belastend, respektlos und gefährlich.

"In vielen Fällen kann die geübte Kommunikationskultur kaum als akzeptabel bezeichnet werden", kritisierte am Mittwoch Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der DGCH, auf der Voraus-Pressekonferenz zum 133. Chirurgenkongress (26. bis 29. April in Berlin). Disziplinierung und Austausch ärztlicher Führungskräfte nähmen zu. Viele Krankenhäuser in Deutschland verstünden sich nunmehr als Wirtschaftsunternehmen, die schwarze Zahlen schreiben und möglichst hohe Gewinne abwerfen sollten.

In Deutschland ist diese Entwicklung vor allem dadurch in Gang gekommen, dass private Konzerne reihenweise den Betrieb von Spitälern übernommen bzw. diese aufgekauft haben. "Nach anfänglich hoher Investition werden bereits nach einem Jahr in einem von einem Konzern aufgekauften Krankenhaus eine Erlössteigerung von zwei Prozent und nach sechs Jahren von zwölf bis fünfzehn Prozent erreicht", berichtete Gabriele Schackert, die Präsidentin der DGCH.

Bereits ein Drittel der deutschen Kliniken würden innerhalb einer privaten Trägerschaft geführt. "Medizinische Entscheidungen müssen oder sollen deshalb zunehmend auch nach ökonomischen und administrativen Gesichtspunkten getroffen werden", kritisierte DGCH-Generalsekretär Meyer. Das sorge aus verschiedenen Gründen zunehmend für Konflikte mit dem ärztlichen Leitungspersonal.

Einerseits sähen sich viele leitende Ärzte mit fertigen Lösungen - dazu zählten speziell Mengenvorgaben für einzelne Eingriffe - durch die Geschäftsführung konfrontiert. "Wenn dabei die Auswirkungen dieser Vorgaben auf das Wohl und die Sicherheit der Patienten unklar oder gar schädlich erscheinen, ist der Konflikt programmiert", betonte Meyer. "Denn es ist der Arzt, nicht der Kaufmann, der dafür die persönliche Verantwortung trägt."

Um aber dem Wohl der Patienten gerecht zu werden, müsse der leitende Mediziner in seinen Entscheidungen frei bleiben und sich im Zweifel auch ökonomischen Erwägungen widersetzen. Die Administration regiere darauf häufig mit Unverständnis, zunehmend auch mit Sanktionen. "Die Disziplinierung der leitenden Ärzte durch die Geschäftsführung hat zweifelsfrei deutlich zugenommen", erklärt Meyer. Missliebige ärztliche Führungskräfte würden immer häufiger nach Belieben ausgewechselt.

Zusätzlich komme es aus der Sicht der deutschen Chirurgen "unabhängig von verschiedenen Trägerschaften der Krankenhäuser" zum Aufblähen der administrativen und betriebswirtschaftlichen Abteilungen. Dies erfolge auf Kosten der ärztlichen Leistungserbringer. Ein dritter Faktor, wie Meyer betonte: In den Verantwortungsbereich der leitenden Ärzte fielen neben dem Einhalten von ökonomischen Zielvorgaben immer mehr bürokratische und organisatorische Aufgaben in den Verantwortungsbereich der ärztlichen Führungskräfte.

Laut OECD-Vergleichen gehören Österreich und Deutschland seit Jahren zu jenen Staaten mit der größten Dichte an Akutbetten in Krankenhäusern. Das wird - ebenso lange - von Experten und der Politik kritisiert.

apa.at

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