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APA-Artikel 19. April 2016

Ärzteausbildung - ÖH: Mehr Qualität durch Reform nur auf dem Papier

Die HochschülerInnenschaften (ÖH) an den Medizin-Unis orten Mängel beim 2015 gestarteten neuen Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ): Es gebe keine einheitlichen Bedingungen für das KPJ, "Qualität existiert mehr auf dem Papier als in der Realität", so Jakob Riedl, Vorsitzender der ÖH an der Medizin-Uni Graz zur APA. Außerdem müssten die Studierenden teilweise gratis arbeiten.

Theoretisch sollten beim KPJ, durch das das Medizinstudium praxisnäher als bisher werden soll, die Inhalte einheitlich geregelt sein, so Riedl. In der Praxis gebe es allerdings nicht einmal überall dieselben Benotungskriterien, kritisiert er nach einem Vernetzungstreffen der ÖH an den Medizin-Unis Wien, Graz, Innsbruck und der Medizin-Fakultät Linz. An der Medizin-Uni Wien müssten die Studierenden ihre Aufgabenerledigung etwa so umfangreich in ihrem "Logbuch" dokumentieren, dass die Krankenhäuser ihre Aufnahme ablehnen würden.

Österreichweit gebe es das Problem, dass im KPJ gar nicht alle im Ausbildungskatalog vorgeschriebenen Tätigkeiten von den Studierenden erledigt werden könnten - so fehle etwa mancherorts die Gelegenheit, wiederholt eine Magensonde zu legen. Um die Studenten nicht beim Studienfortschritt zu behindern, würden die entsprechenden Unterlagen dann von den Zuständigen in den Spitälern trotzdem einfach abgehakt, und das "nicht einmal selten", schildert Riedl. Qualitätssicherung vermisst die ÖH im KPJ generell.

Probleme orten die Studierendenvertreter auch beim Arbeitsrecht: Da es sich beim KPJ offiziell noch um einen Teil der Ausbildung handelt, sei der Arbeitsschutz nur eingeschränkt gültig. Außerdem werde mit dem Argument, es handle sich um ein Praktikum, in einigen Bundesländern eine Aufwandsentschädigung verweigert. "Tirol zahlt weiterhin nichts", beklagt Riedl. In Graz erhielten die Studierenden 650 Euro pro Monat für offiziell 35 Wochenstunden, real seien es aber 40; auch Wien und Oberösterreich zahlen 650 Euro.

Das KPJ umfasst das 11. und 12 Semester des Studiums, dauert 48 Wochen und gliedert sich in die Blöcke Innere Medizin, Chirurgische Fächer und Wahlfächer. Die Studenten führen dabei etwa Blutabnahmen durch oder leisten Assistenztätigkeiten im OP. Das neue KPJ ist als Teil der neuen Ärzte-Ausbildung mit dem Studienjahr 2014/15 in Kraft getreten. An den Medizin-Unis Graz und Innsbruck gab es bereits früher eine Art Klinisch-Praktisches Jahr, allerdings mit weniger Anwesenheitspflicht und in verkürzter Form; dort laufen bis einschließlich 2017/18 Übergangsbestimmungen zum neuen KPJ.

apa.at

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