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APA-Artikel 14. April 2016

NÖ Ärztekammerpräsident kritisiert Elektronische Gesundheitsakte ELGA

Der NÖ Ärztekammerpräsident Christoph Reisner kritisiert die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Als nützliches Arbeitsgerät für Ärzte sei ELGA "völlig ungeeignet", teilte er am Donnerstag zur Inbetriebnahme in NÖ Krankenhäusern bis Mitte 2016 in einer Aussendung mit. Behandelnde Ärzte würden aufgrund von ELGA "kein umfassendes Bild bekommen".

Rückwirkend werden keine Daten in der Gesundheitsakte eingespielt, daher sei der Datenakt vorerst leer. Gespeichert würden derzeit nur ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe mit relevanten Labor- und Radiologieinformationen sowie ambulante Labor- und Radiologiebefunde als pdf-Dateien. "Solange aber eine effektive Suche nach relevanten Daten in ELGA nicht gewährleistet ist, bleibt es lediglich beim Befüllen eines Aktes oder einer 'Daten-Schachtel'", kritisierte Reisner.

Bilder von Röntgen-, MR-, CT- oder Ultraschalluntersuchungen werden nicht in ELGA archiviert, auch keine Basisgesundheitsdaten wie Blutgruppe, Allergien, Impfungen und Medikamentenunverträglichkeiten oder Anamneseberichte. "Genauso wenig werden medizinische Grunddaten wie Cholesterin-, Blut- und Harnwerte erfasst und aufbereitet, um Krankheitstrends zu erkennen", so der NÖ Ärztekammerpräsident.

Ein Dorn im Auge ist Reisner auch die garantierte Verfügbarkeit von Datenspeicher und Verweisregister nur zu Kernzeiten: Von Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 16.30 Uhr, am Freitag von 8.30 bis 13.30 Uhr. Ärzte müssten auch außerhalb dieser Zeiten Patienten behandeln und künftig mit ELGA arbeiten, betonte der NÖ Ärztekammerpräsident.

"Lücken" sieht Reisner bei der Datensicherheit: Der ELGA-Datenspeicher benötige erst ab 1. Juli 2016 einen Nachweis zur Datensicherheit, auch danach müssten die in ELGA gespeicherten Daten nicht verschlüsselt werden, lediglich der Transport habe verschlüsselt zu erfolgen.

Die mit dem "situativen Opt-out" verbundene Informationspflicht der Ärzte führe "zu einem beträchtlichen Mehraufwand in den Krankenhäusern", kritisierte Reisner weiters. Dabei geht es um die Möglichkeit, der Aufnahme eines konkreten Behandlungs- oder Betreuungsfalls in die Gesundheitsakte zu widersprechen. Bei psychiatrischen Hauptdiagnosen, HIV-Infektionen, bei Schwangerschaftsabbrüchen und teilweise bei genetischen Untersuchungen müssten Patienten nachweislich und mündlich über ihr Opt-out-Recht informiert werden.

Die E-Medikation - mit der auch die von Ärzten verschriebenen und von Apotheken abgegebenen Arzneimittel gespeichert werden - sei der einzig getestete ELGA-Bereich "mit katastrophalem Ergebnis", hieß es in der Aussendung. Die Interaktionsprüfung, die eine zentrale Medikamentenverwaltung gerechtfertigt hätte, wurde gestrichen.

Im Dezember 2015 ist die Elektronische Gesundheitsakte in Krankenhäusern in Wien und der Steiermark gestartet. Im ersten Halbjahr 2016 geht ELGA in allen Spitälern in Niederösterreich in Betrieb, ebenso in den sieben Unfallkrankenhäusern der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und im Wiener Hanusch-Krankenhaus. Ebenfalls bis Mitte 2016 startet die Funktion E-Medikation im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark.

apa.at

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