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APA-Artikel 6. April 2016

Grazer Gesundheitszentren als Hoffnung für Chinas Altenpflege

Die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) sollen bei der künftigen Altenpflege in China eine bedeutende Rolle einnehmen: Die Universität Jiangsu sowie die Medizinische Universität Nanjing haben am Montag und am Dienstag mit GGZ-Geschäftsführer Gerd Hartinger in China Vereinbarungen unterschrieben, in denen die Absicht zur Zusammenarbeit fixiert wurde.

Für die bereits mit mehreren nationalen und europäischen Preisen ausgezeichneten Steirer birgt die Unterstützungsanfrage aus China viel Potenzial: "Es leben derzeit 80 Millionen Chinesen, die älter als 80 Jahre sind. Durch die Ein-Kind-Politik können die Älteren nicht mehr wie früher zu Hause versorgt werden. Doch bei der Langzeit-Pflege haben die Chinesen kaum Know-how", schilderte Hartinger die Herausforderungen in dem fernöstlichen Land. Es werden zehn Millionen Pflegekräfte in China benötigt, aber derzeit steht nur eine Million zur Verfügung und von ihr bringen nur 20.000 eine einschlägige berufliche Ausbildung mit, so Hartinger weiter.

Die Dimensionen in China sind freilich andere als in der Steiermark, aber "wir haben in Österreich in den letzten Jahren alle Preise gewonnen und waren auch schon in Brüssel sehr erfolgreich: Wir trauen uns das zu", sagte der GGZ-Geschäftsführer im APA-Gespräch am Rande einer Delegationsreise mit Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) in China. Mehrere chinesische Delegationen waren bereits in Graz zu Besuch und haben sich die prämierte Altenpflege von Hartingers Team angesehen: "Wir haben Ideen, die auch für den chinesischen Markt passend sind: Wir setzen auf den Multiplikatoreneffekt", erklärte der vom deutschen KlinikAward ausgezeichnete "Manager des Jahres 2015".

Sollte den Chinesen Hartingers Pläne gefallen, könnten künftig pro Jahr 20 bis 50 chinesische Pflegekräfte aus den Führungsebenen nach Graz kommen und in Kooperation mit der FH Joanneum vertiefende Ausbildung nach Albert Schweitzer Hospiz-Standard bekommen. Sie sollen zurück in Fernost die Curricula aufstellen und weitere Pflegekräfte schulen.

Laut dem GGZ-Geschäftsführer hat China derzeit rund 35.000 Altersheime mit bis zu 2.000 Bewohnern, der Bedarf steigt aber ständig. Kaum eines der Altenheime reicht bisher an die niedrigsten steirischen Standards - das soll sich ändern. Das Angebot an die Chinesen baut zusätzlich auf weitere Leistungen: Neben der Ausbildung des Personals geht es auch um die Beratung bei Bau und Architektur der Wohngebäude. Sie sollen wenig Energie verbrauchen und damit auf lange Sicht umweltschonend sein. Außerdem unterstützt das GGZ bei der Integration von Technologie im Altenbereich - etwa mit Programmen, mit denen schwer eingeschränkte alte Menschen allein durch ihre Augenbewegungen "schreiben" und sich damit wieder mitteilen können.

Noch bis Donnerstag will sich Hartinger mit chinesischen Entscheidungsträgern - auch auf Behördenebene - treffen, um die Kooperation auf den Weg zu bringen.

apa.at

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