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APA-Artikel 24. März 2016

Gewaltschutz in Krankenhäusern nach Leitfaden

Im Gesundheitswesen könnten Gewalt- und Missbrauchsfälle häufig entdeckt werden. Eine ganz besondere Stellung besitzen in der Problematik die Krankenhäuser. Ein neuer Leitfaden soll dazu eine Anleitung für alle dort tätigen Berufsgruppen bieten, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Wiener AKH.

"Das Gesundheitswesen spielt im Erkennen, in der Dokumentation solcher Fälle und in der Unterstützung von Opfern eine bedeutende Rolle", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Es gehe um einen sensiblen Umgang mit den Opfern, das Ausschalten von Gefährdungen und die notwendige Information an das Spitalspersonal. "Jede dritte Frau ist zumindest einmal in ihrem Beziehungsleben von Gewalt betroffen."

Im Rahmen des von der EU teilfinanzierten Projekts "Gewaltfrei leben" wurde deshalb von österreichischen Experten ein Leitfaden für Management und Personal in Krankenhäusern zur Versorgung von gewaltbetroffenen Patientinnen erstellt. Er soll in Zukunft in möglichst vielen Krankenhäusern und an möglichst vielen Stellen Handlungsanleitungen und Informationen bieten. Sabine Eder, stellvertretende Leiterin der Opferschutzgruppe im AKH Wien, sagte dazu: "Opfer von Gewalt finden sich überall."

Unfall- und gynäkologische sowie Kinderabteilungen und deren Ambulanzen sind wahrscheinlich jene Stellen, wo die meisten Auffälligkeiten bemerkt werden bzw. bemerkt werden müssten. Doch auch das Personal von Augen- und Dermatologieabteilungen bzw. -ambulanzen sollte sensibilisiert sein. Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, berichtete von einem Fall, in dem eine Frau erst nach Jahren über einen aufmerksamen Augenarzt als Gewaltopfer erkannt und schließlich entsprechend betreut und unterstützt werden konnte.

Opferschutzgruppen, die möglichst in allen Krankenhäusern gegründet werden sollten, stellen in der Problematik der Gewalt- und Missbrauchserkennung Keimzellen adäquaten Handelns dar. Information und Schulung für die Beschäftigten in Sachen Gewaltschutz sollte aber möglichst "flächendeckend" und dann auch wiederholt erfolgen. Auch der richtige Umgang mit "Gefährdern", die oft gemeinsam mit dem Opfer in Einrichtungen des Gesundheitswesens kommen und die Aufdeckung von Gewalt zumeist verhindern wollen, sollte gelernt werden. Dabei geht es auch um Deeskalationsstrategien (www.frauenhelpline.at; Frauenhelpline gegen Gewalt Tel.: 0800/222-555).

apa.at

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