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APA-Artikel 11. März 2016

CH: Bundesrat will die Psychiatrie-Versorgung verbessern

Der Bundesrat will die Psychiatrie-Versorgung in der Schweiz verbessern. Er geht in einem am Freitag verabschiedeten Bericht davon aus, dass bis zu einem Drittel der Schweizer Bevölkerung im Lauf eines Jahres an einer psychischen Erkrankung leidet.

Obwohl die meisten dieser Krankheiten behandelt werden sollten, sucht nur etwa die Hälfte der Betroffenen professionelle Hilfe, wie es im Bericht heisst. Begründet wird das mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung von psychisch Kranken und auch damit, dass die Symptome und die Behandlungsmöglichkeiten nicht bekannt sind.

Unbehandelt könnten psychische Erkrankungen chronisch oder schwer verlaufen, warnt der Bericht. Und das Risiko steigt, dass sich Betroffene aus der Gesellschaft und aus dem Arbeitsleben zurückziehen. Weitere mögliche Folgen seien Verarmung oder Suizid.

Die Diagnose einer psychischen Krankheit ist anspruchsvoll. Zudem treten viele psychische Erkrankungen zusammen mit andern psychischen oder somatischen Krankheiten auf.

Die Zahl der Behandlungen in Tageskliniken und psychiatrischen Ambulatorien hat sich von 2004 bis 2014 beinahe verdoppelt. Jährlich werden in diesen Einrichtungen heute rund 120'000 Patientinnen und Patienten betreut. Gestiegen ist auch die Zahl der Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken, aber die Patienten bleiben weniger lang.

Die Kosten für Psychiatrie-Leistungen zu Lasten der obligatorischen Grundversicherung stieg in diesem Zeitraum von 1,2 auf 1,9 Milliarden Franken. Das ist ein geringerer Anstieg als die gesamten Kosten der Grundversicherung. Der Bundesrat beurteilt die Versorgung als qualitativ hochstehend, will aber doch Verbesserungen.

Ansetzen will er bei der Ausbildung: Es soll ein eidgenössisch anerkannter Abschluss für Psychiatriepflege eingeführt werden. Geprüft werden soll laut dem Bericht auch, ob die Diagnostik und Behandlung von psychisch Kranken in der Weiterbildung der Grundversorger stärker berücksichtigt werden soll.

Rund jeder dritte Patient in Allgemeinpraxen leidet an einer psychischen Erkrankung oder an psychischen Folgen einer körperlichen Krankheit. Deshalb will der Bundesrat prüfen, ob Diagnostik und Behandlung von psychischen Krankheiten in der Weiterbildung für ärztliche Grundversorger stärker berücksichtigt werden soll.

Regelmässige Publikationen über den Entwicklung der Versorgung in der Psychiatrie sollen bessere Grundlagen liefern für die Planung und Weiterentwicklung der Angebote. Noch mehr als heute sollen sich die Akteure untereinander koordinieren. Die Behandlung und die berufliche Integration von psychisch Kranken soll besser aufeinander abgestimmt werden.

Ansetzen will der Bundesrat schliesslich bei den intermediären Strukturen - gemeint sind Angebote zwischen der Rund-um-die-Uhr-Betreuung und der Sprechstunde. Sie richten sich zum Beispiel an Kranke, die an Integrationsprogrammen teilnehmen oder an Patienten, die Hilfe für die Bewältigung ihres Alltags brauchen.

Geleistet wird diese Hilfe von Ambulatorien, aber auch von mobilen Eingreifteams. Nicht für alle ihre Leistungen genügt die Finanzierung - laut dem Bericht soll nun eine nachhaltige Finanzierung dieser Angebote angestrebt werden.

apa.at

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