zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 10. März 2016

Babyverwechslung am Grazer Uniklinikum: "Menschliches Versagen"

An der Grazer Frauenklinik ist es vor wenigen Tagen erneut zu einer Verwechslung zweier Neugeborener gekommen. Ursache war laut Anstaltsleitung des LKH-Uniklinikums "menschliches Versagen". Eine Kinderschwester hat nach der Erstlingsuntersuchung die durch Identifikationsbänder zuordenbaren Babys in die falschen Betten gelegt. Die Verwechslung habe rasch geklärt werden können, teilte das LKH mit.

Bemerkt wurde die Verwechslung nicht von der Kinderkrankenschwester, sondern von einer der beiden betroffenen Mütter: "Die Babys wurden von der betreuenden Kinderschwester leider in das falsche Bett gelegt. Der aufmerksamen Mutter ist das jedoch, nachdem es sich um einen Buben und ein Mädchen handelt, sofort aufgefallen", wurde Betriebsdirektor Gebhard Falzberger in der Stellungnahme zitiert. Die Mutter des Buben wollte ihr Neugeborenes vor dem Stillen wickeln und entdeckte das Malheur: "Sie hatte ein Mädchen am Wickeltisch vor sich liegen und nicht ihren Sohn", sagte Pressesprecherin Simone Pfandl-Pichler zur APA.

Mithilfe der Identifikationsbänder - jedes Baby wird mit Datenbändern am Arm und Bein versehen - konnte das vertauschte Baby rasch gefunden werden. "Aufgrund der engmaschigen Sicherheitsmaßnahmen wäre diese falsche Zuordnung kurze Zeit später bei der nächsten Kontrolle durch die Pflegekräfte bemerkt worden", versicherte Klinikvorstand Uwe Lang. Die Identifikationsbänder müssen zweimal täglich - in der Früh und am Abend - mit jenen der Mutter verglichen werden und die Kontrolle in der Pflegedokumentation vermerkt werden. Die beteiligte Kinderschwester wurde verwarnt, die Anstaltsleitung habe sich bei den Müttern entschuldigt.

Beunruhigung herrschte vorerst noch, weil eine der beiden stillenden Mütter laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) an einer chronischen Infektionskrankheit leidet: "Aufgrund der Virologie ist eine Infektion mit der Krankheit durch Stillen nahezu ausgeschlossen", wurde vonseiten der Pressestelle versichert. Das Baby wurde, in Abstimmung mit den Eltern, dennoch vorsichtshalber passiv und aktiv geimpft, eine Infektionsgefahr sei daher "äußerst unwahrscheinlich und de facto nur theoretisch gegeben".

Erst im heurigen Jänner war bekannt geworden, dass eine Steirerin vor 25 Jahren als Baby möglicherweise im Grazer LKH-Uniklinikum vertauscht worden war. Die Staatsanwaltschaft Graz war seit April 2015 mit dem Fall befasst, hat das Verfahren aber "aus Beweiserwägung" eingestellt. Verunsicherten Frauen wurde daraufhin seitens des LKH Graz ein kostenloser DNA-Test angeboten. Rund 30 Frauen haben sich gemeldet, um eine genetische Verwandtschaft zur Mutter der vor 25 Jahren vertauschten Frau, bzw. zu dieser selbst auszuschließen. Eine entsprechende DNA-Übereinstimmung wurde bisher nicht gefunden.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben