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APA-Artikel 9. März 2016

Apothekertagung: Essen und Arzneimittel - Diffiziles Verhältnis

Nahrungsmittel und Arzneimittel stehen zu einander in einem oft diffizilen Verhältnis. Wechselwirkungen, Wirkungsanstieg oder Verlust des Effekts können die Folge sein, sagte Dienstagabend die Grazer Expertin Susanne Schlacher bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming (Steiermark).

"Mehr als 300 Arzneistoffe zeigen Wechselwirkungen mit Nahrungs- und Genussmitteln", erklärte Susanne Schlacher (Krankenhausapotheke der Grazer Universitätskliniken). Freisetzung, Aufnahme, Verteilung in Körper, Verstoffwechselung und Ausscheidung von Arzneimittelsubstanzen können durch die verschiedensten Nahrungsmittel verändert werden.

Am einfachsten ist noch die Frage, ob ein bestimmtes Medikament vor, mit oder nach dem Essen eingenommen werden sollte. Eine Steigerung der Resorption durch Nahrung tritt beispielsweise bei dem Beta-Blocker Propranolol (Blutdruckmedikament), beim Antibiotikum Cefuroxim oder bei den Diuretikum Spironolacton auf. Umgekehrt wird die Resorption von so häufig verwendeten Arzneimitteln wie Bisphosphonaten (Osteoporose) oder dem Chemotherapeutikum bzw. auch in der Rheumatherapie eingesetzten Methotrexat gehemmt. Sie sollten auf nüchternen Magen 30 Minuten bis eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden.

Klassisch ist die Interaktion von Grapefruits, Grapefruitsaft etc. mit Dutzenden von Arzneistoffen. Durch die Hemmung des Leberenzyms Cytochrom P 3A4 wird der Abbau der Wirkstoffe blockiert. Die Bioverfügbarkeit der Substanzen kann dramatisch zunehmen. Der Rat der Grazer Expertin: "Den Genuss von Grapefruitprodukten bereits drei Tage vor Beginn einer Arzneimitteltherapie einstellen."

Selbst der vielleicht oft als "Allheilmittel" für völlig unverdächtig angesehene Knoblauch kann ungute Wechselwirkungen mit Arzneimitteln verursachen. Große Mengen (auch Knoblauchpräparate in Kapselform etc.) können die Wirkung von Aids-Medikamenten herabsetzen. Zehn Tage vor einer geplanten Operation sollte mit dem hoch dosierten Knoblauchkonsum überhaupt aufgehört werden, weil damit das Blutungsrisiko steigt.

apa.at

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