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APA-Artikel 8. März 2016

Apothekertagung: Kaum Aussichten auf neue Alzheimer-Therapien

Die Zahl der Alzheimer-Patienten steigt weltweit rasant an. Trotz aller Bemühungen gibt es keinen Durchbruch in der Therapie. Vorsorge kann der Einzelne am besten lebenslang durch einen gesunden, aktiven Lebensstil treffen, sagte der Salzburger Geriater Bernhard Iglseder am Montagabend bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming (Steiermark).

"In Österreich sind aktuell etwa 110.000 Menschen demenzkrank. Bis 2050 dürfte sich deren Zahl auf rund 260.000 mehr als verdoppeln", sagte der Experte. In der Altersgruppe der 80-Jährigen ist von 18 Prozent Demenzkranken auszugehen (zwölf Prozent mit Morbus Alzheimer), in der Altersgruppe der 85-Jährigen bereits mit einem Anteil der Demenzkranken von 36 Prozent (24 Prozent mit Morbus Alzheimer).

Mit Altersvergesslichkeit haben die Demenzerkrankungen - am häufigsten ist der Morbus Alzheimer - nichts zu tun. Typisch sind Gedächtnisstörungen, bei denen Ereignisse als Ganzes vergessen werden und Erinnerungen an sie nur selten wieder auftauchen. Die fortschreitende Hirnleistungsstörung führt auch dazu, dass die Betroffenen zum Beispiel schriftlichen oder mündlichen Anleitungen nicht mehr folgen können, unfähig sind, sich Notizen zu machen und Alltagshandlungen zu vollziehen.

Ein Riesenproblem liegt darin, dass es weiterhin keine ursächliche Therapie für Morbus Alzheimer gibt. Seit langem werden für die Krankheit sowohl Ablagerungen an Beta-Amyloid-Proteinen im Gehirn als auch der Zusammenbruch des Proteintransportsystems in den Nervenzellen des Gehirns verantwortlich gemacht. Doch bisher gelang es nicht, in diese Mechanismen einzugreifen, dass ein Behandlungserfolg zu sehen war.

"Alle neuen Ansätze, zum Beispiel monoklonale Antikörper, haben gefloppt", sagte der Geriater. Mit monoklonalen Antikörpern wollte man die schädlichen Proteine aus dem Gehirn entfernen. In Studien gelang das auch, doch an der Situation der Patienten änderte sich nichts. So bleiben Medikamente, welche den Abbau des anregenden Nervenbotenstoffs Acetylcholin im Gehirn reduzieren und ein Wirkstoff, der als Gegenspieler zu überschießenden Glutamat-Spiegeln im Gehirn fungiert, die einzigen teilweise effektiven Therapeutika.

"Mi den Acetyl-Cholinesterasehemmern kann man im guten Fall das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung um ein Jahr verschieben", sagte Iglseder. Aber wenn in klinischen Studien innerhalb eines Jahres unter einer Therapie beispielsweise bei 41 Prozent der Alzheimer-Patienten die Demenz fortschritt, unter Placebo hingegen bei 56 Prozent, mache das doch einen deutlichen Unterschied für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Auf eine Therapie sollte - wenn möglich - nicht verzichtet werden.

Nicht beeinflussbar sind Risikofaktoren wie Alter, eine genetische Belastung und das Geschlecht (Frauen häufiger betroffen). Doch viele andere Risikofaktoren für das Auftreten von Demenz bzw. Morbus Alzheimer ließen sich vermeiden bzw. behandeln: Hypertonie, zu hohe Blutfettwerte, Diabetes, Depressionen etc. Ein aktiver und gesunder Lebensstil schützt vor diesen Erkrankungen. Das haben viele Studien ergeben. "Jede Form von geistiger und körperlicher Aktivität reduziert das Erkrankungsrisiko beträchtlich", sagte der Experte.

Da gehe es um eine Verringerung der Gefährdung um 30 oder gar 40 Prozent. Eine mediterrane Ernährung wird allein schon für eine Reduktion des Alzheimer-Risikos um 15 Prozent verantwortlich gemacht.

apa.at

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