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APA-Artikel 8. März 2016

Primärversorgung - Wien krempelt das Hausarzt-Modell um

Längere Öffnungszeiten durch mehr Kooperation: Die Stadt Wien will den Hausarzt aufwerten, Mediziner wie Patienten sollen davon profitieren. Ärztekammer, Wiener Gebietskrankenkasse und Rathaus haben sich am Dienstag auf einen gemeinsamen Fahrplan zur Neuorganisation der Primärversorgung geeinigt. Dieser sieht auch vor, die Hausärzte besser zu entlohnen.

Die Eckpfeiler des Wiener Modells wurden bei einem Gipfelgespräch festgelegt, teilte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) via Aussendung mit. Details sollen nun bis Ende März geklärt werden. Einer der wesentlichen Punkte: Niedergelassene Allgemeinmediziner sollen künftig vermehrt und besser zusammenarbeiten, Ärztenetzwerke forciert werden. Dafür wird die Möglichkeit geschaffen, dass Vertragsgruppenpraxen in das Modell von Primärversorgungszentren nach dem schon bestehenden Vorbild in Mariahilf - ein zweites Zentrum beim Donauspital startet im Herbst - wechseln können.

Außerdem wird ein Pilotprojekt für ein Einzelordinationsnetzwerk etabliert. Teilnehmende Hausärzte bleiben also in ihrer jetzigen Ordination, organisieren sich aber als eine Art dezentrale Gruppenpraxis in der Größenordnung von mindestens drei oder vier Medizinern. Der Vorteil aus Patientensicht: Die Öffnungszeiten können auf Tagesrandzeiten - also etwa auf den Abend - ausgedehnt werden. Hier sei durchaus angedacht, entsprechende Vorgaben zu machen, sagte ein Sprecher Wehselys auf APA-Nachfrage. Die konkrete Lösung ist aber noch offen. Sie könnte sich aber an den 50 Wochenstunden, wie bei den Zentren Mariahilf und Donaustadt, orientieren.

Darüber hinaus werden Physiotherapeuten, Ernährungsberater oder Psychotherapeuten ebenfalls in das dezentrale Netzwerk integriert. Verpflichtende Ordinationszeiten am Wochenende dürfte es weiterhin nicht geben. "Die Akutversorgung an den Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht erfolgt über den Ärztefunkdienst", heißt es in dem gemeinsamen Papier, das der APA vorliegt.

Die Angebotspalette der Hausärzte soll ebenfalls erweitert werden. Er soll dann auch Tätigkeiten durchführen können, für die es derzeit eventuell noch einen Facharzt braucht. Hier gibt es ebenfalls noch Gesprächsbedarf. Fest steht bereits, dass die Allgemeinmediziner, die an das System andocken, auch mehr verdienen werden. Das freut freilich die Ärztekammer, die sich prinzipiell sehr zufrieden mit dem Kompromiss zeigt und diesen in die Richtung interpretiert, dass nun ihr Ruf "auch im Rathaus gehört" worden sei. Neben der Abgeltung des höheren Arbeitsaufwands der Ärzte ist für Kammer-Vizepräsident Johannes Steinhart auch die Einhaltung des Zeitplans "oberste Priorität".

Dieser sieht vor, dass es nach den Hausärzten auch eine - ähnlich gestaltete - Neuaufstellung des niedergelassenen Fachärztebereichs geben wird. Hier soll bis Ende Juni alles unter Dach und Fach sein.

Anders als bei den Hausärzten sind im Bereich der niedergelassenen Kinderfachärzte auch Wochenenddienste geplant. Diese waren zuletzt infolge von überfüllten Spitalsambulanzen von mehreren Seiten gefordert worden. "Die Behandlung von akuten Fällen an den Wochenenden und Feiertagen soll in Zukunft in größeren Gruppenpraxen im niedergelassenen Bereich erfolgen", stellte WGKK-Obfrau Ingrid Reischl in einer Aussendung in Aussicht.

Offen sind auch noch die Finanzierung bzw. die Gesamtkosten des Gesamtpakets. "Man wird kurzfristig sicher mehr Geld brauchen", langfristig werde das Modell aber effizienter und besser für alle sein, wurde jedenfalls im Wehsely-Büro versichert.

apa.at

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