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APA-Artikel 7. März 2016

Apothekertagung: Medikation ist mehr als ein "Pulverl"

Ein Medikament und eine medikamentöse Therapie sind mehr als ein "Pulverl". Gezielter Einsatz bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln, Beratung beim Apotheker und entsprechender Einsatz durch den Patienten ergänzen einander. Um diese Fragen geht es bei der 49. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (6. bis 10. März) in Schladming in der Steiermark.

"Hinter der Arzneimitteltherapie steckt sehr viel mehr an Wissen, aber auch an Einfühlungsvermögen für den Patienten. (...) Es kann nicht sein, dass für Schreibtischtäter Arzneimittel immer nur ein 'Kostenfaktor' sind", sagte der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Max Wellan, Sonntagnachmittag bei der Eröffnung der traditionsreichen Tagung, die in diesem Jahr unter dem Generalthema "Geriatrie und Medikationsmanagement" steht.

Hinter jedem zugelassenen und in der Abgabe an den Patienten sicheren Arzneimittel stecken viele Faktoren, die auf die meisten anderen Produkte in dieser Kombination nicht zutreffen: Wissenschaft, Produktion in optimaler Qualität, sicherer Transport und Bereitstellung - und die "Software" in Form einer sinnvollen Verschreibung durch den Arzt bei rezeptpflichtigen Präparaten sowie der Beratung des Patienten durch den Arzt und/oder Apotheker. Und schließlich sollte der Kranke die Mittel auch noch richtig verwenden.

Auf diese "Software" käme es wesentlich an, um das Optimale aus einer medikamentösen Therapie herauszuholen, betonte Wellan, der mit scharfer Kritik auf den von der Drogeriemarktkette dm angekündigten Gang zum Verfassungsgerichtshof auf Freigabe der rezeptfreien Arzneimittel für den Verkauf beim Drogisten reagierte: "Wo dm glaubt, man könne einfach so rezeptfreie Arzneimittel verkaufen, muss man sagen: Ein Arzneimittel ist viel mehr. Es kann Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben."

Die Drogeriemarktkette wolle mit der gewünschten Aufnahme der "200 umsatzstärksten Produkte" nur "unverschämte Rosinenpickerei" betreiben. Bei Beratungsbedarf würde man wohl die Kunden dann in die nächste Apotheke schicken. Das sei "Beratungsdiebstahl".

Die österreichischen Apotheker wollen gerade bei der Beratung punkten. Dabei geht es speziell um das Medikationsmanagement für ältere Menschen, die zumeist an mehreren chronischen Erkrankungen leiden. Weil sie oft viele verschiedene Arzneimittel von Allgemeinmedizinern und Fachärzten verschrieben bekommen und auch noch rezeptfreie Arzneimittel dazukaufen, soll ihnen eine Durchforstung ihres Medikamenten-Konvoluts angeboten werden.

Bei einem Termin in der Apotheke sollen die entsprechend ausgebildeten Apotheker dann mit dem Patienten die Medikation durchbesprechen und eventuell auch für Nebenwirkungen problematische Kombinationen hinterfragen. Zusätzlich geht es um die richtige Anwendung von Arzneimitteln: bestmöglicher Zeitpunkt der Einnahme, Anwendung (z.B. Asthmasprays etc.).

"Eine konkrete Forderung ist die Honorierung eines solchen Medikationsmanagements", sagte Wellan. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger habe aber bereits abgewunken.

apa.at

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