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APA-Artikel 7. März 2016

D: Teure Not-OPs bei Kaiserschnitten nehmen zu

Die Zahl der Kaiserschnitte ist stark gestiegen und hat sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Fachleute sagen, die Entscheidung für einen Kaiserschnitt werde nicht mehr nur nach rein medizinischen Erwägungen getroffen.

Die Krankenhäuser rechnen Kaiserschnitt-Geburten immer häufiger als teure Notfall-OP ab - günstigere geplante Eingriffe werden dagegen seltener. Das zeigt eine Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 2005 bis 2008 hätten sich ungeplante und geplante OPs bei Kaiserschnitt-Geburten durchgängig die Waage gehalten. 2009 öffnete sich nach dieser Auswertung die Schere - genau zu dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass Kliniken für einen Notfall-Kaiserschnitt einen höheren Preis abrechnen können als für einen geplanten Kaiserschnitt.

2014 lag demnach das Verhältnis von ungeplanten zu geplanten Kaiserschnitt-OPs bereits bei 56 zu 44 Prozent. "Hier ist der wirtschaftliche Anreiz offenbar ausschlaggebend", erklärte Frank Verheyen, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen der TK (WINEG). Eine durchschnittliche, ungeplante Kaiserschnitt-Geburt kann aktuell mit fast 3400 Euro abgerechnet werden, eine vergleichbare geplante OP dagegen mit knapp 2700 Euro. Vor der Neuregelung hatten die gesetzlichen Krankenkassen einen Kaiserschnitt einheitlich vergütet.

Der Chefarzt der Frauenklinik des Bethesda-Krankenhauses Hamburg-Bergedorf, Martin Neuß, sieht einen anderen Grund. Geplante Kaiserschnitt-Geburten würden heutzutage häufiger erst für die 40. Schwangerschaftswoche anvisiert, weil dieser späte Zeitpunkt nach neueren Erkenntnissen besser für das Kind sei. Damit steigt nach Neuß' Darstellung aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass es vorher noch zu einer ungeplanten Geburt kommt: "Es ist doch klar, dass dann Frauen häufiger ungeplant mit Blasensprung oder Wehenbeginn nachts oder am Wochenende, auf jeden Fall aber ungeplant kommen", erläuterte er. "Natürlich verursacht eine ungeplante Operation in der Nacht oder am Wochenende oder irgendwie im Plan eingeschoben deutliche Mehrkosten."

Dagegen sagte Verheyen: "Im Zuge unserer Untersuchung konnten keine weiteren Faktoren identifiziert werden, die den Anstieg bei ungeplanten Kaiserschnitten begründen." Der TK und damit letztlich der Versichertengemeinschaft seien durch die Verschiebung hin zu mehr ungeplanten Geburten auf dem OP-Tisch seit der Vergütungsumstellung Mehrkosten in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro entstanden. Hochgerechnet auf die gesetzliche Krankenversicherung liegen die Zusatzausgaben für den Zeitraum 2010 bis 2014 bei 31,5 Millionen Euro.

Insgesamt sei in Deutschland die Kaiserschnittrate seit der Jahrtausendwende rasant gestiegen und hat sich mittlerweile auf hohem Niveau eingependelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Kaiserschnittrate 2014 bundesweit bei rund 31,8 Prozent, 2000 waren es noch 21,5 Prozent. Dieser Trend zeige sich auch bei der TK: In den Vorjahren wurden mehr als 30 Prozent aller TK-versicherten Neugeborenen per Kaiserschnitt entbunden.

apa.at

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