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APA-Artikel 26. Februar 2016

D: Kassen-Ärzte wollen mehr Geld für Qualitätsmanagement

Das Qualitätsmanagement in Praxen niedergelassener Ärzte ist zum Teil sehr zeitaufwendig. Dies sollte angemessen vergütet werden, sagen die Ärzte. Auch die Krankenkassen sind für Bürokratieabbau. Mehr zahlen wollen sie nicht.

Die niedergelassenen Ärzte wollen mehr Geld für ihren Aufwand bei Qualitätssicherung und Qualitätsförderung. "Hohe Qualität ist nicht umsonst", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, am Donnerstag in Berlin. Vertragsärzten, aber auch Kassenärztlichen Vereinigungen entstünden dadurch ein Mehraufwand, den die Kostenträger vergüten müssten. Den Angaben zufolge werden die Praxen jährlich mit Bürokratiekosten von rund vier Milliarden Euro belastet.

Ein Vergleich der Qualitätssicherung zwischen Praxen und Kliniken, wie er immer wieder gefordert werde, sei grundsätzlich schwierig, argumentierte Gassen. Die Besonderheiten der ambulanten Versorgung mit vielen chronischen oder auch Mehrfacherkrankungen sowie langen Behandlungsverläufen machten es unmöglich, Versorgungsqualität primär am Ergebnis zu messen. Aber ob eine OP erfolgreich gewesen sei, lasse sich relativ leicht sagen. Allerdings müsse man auch weiter darüber nachdenken, wie eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung machbar sei, hieß es.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hielt dem entgegen: "Eine hohe Qualität ärztlicher Leistungen sicherzustellen, müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit und im Interesse aller Ärzte sein." Wenn dazu Verwaltungsaufwand etwa durch Formulare, Dokumentationen und standardisierte Regeln nötig sei, könne man das nicht per se als unnötige Bürokratie abtun. "Die von Ärzten und Krankenkassen - im Übrigen gemeinsam - entwickelten Standards und Formulare helfen dabei, Patienten koordiniert und schnell zu versorgen."

Der GKV-Spitzenverband räumte ein, dass mit den Vorgaben "manchmal übers Ziel hinausgeschossen wird". Da solche Vorgaben gemeinsam beschlossen worden seien, müsse sie die Selbstverwaltung auch gemeinsam weiterentwickeln und verschlanken. "Einfach mehr Geld zu fordern, um Qualitätsvorgaben einzuhalten, heißt, sich aus dieser Verantwortung zu stehlen."

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, erklärte: "Qualitätsmanagement nur gegen Milliarden. Verkehrte Welt. Die Kassenärzte tun so, als ob Patienten sonst von den niedergelassenen Ärzten nur unter Qualitätsvorbehalt therapiert würden."

apa.at

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