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APA-Artikel 16. Februar 2016

Zahlreiche Mängel 2 - Land kündigte Neubau von Behindertenheim an

Der Salzburger Gesundheitsreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) hat am Dienstag auf die von der Volksanwaltschaft aufgezeigten Missstände im Behindertenheim Konradinum in Eugendorf reagiert. Er räumte ein, dass das stark in die Jahre gekommene Gebäude die Betreuung der Bewohner erschwere. Allerdings werde die Landeseinrichtung neu gebaut. Die Planungen dazu seien bereits weit fortgeschritten.

"Die baulichen Defizite konnten auch durch Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten nicht beseitigt werden", sagte Stöckl. Der Neubau werde moderne und bedarfsgerechte Bedingungen schaffen, unter denen auch die entsprechenden pädagogischen und therapeutischen Konzepte besser umgesetzt und angewendet werden können. Ein neues Konzept für das Konradinum in baulicher und fachlicher Hinsicht stehe, derzeit würden die Ausschreibungsunterlagen vorbereitet.

Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) stritt am Dienstag gegenüber der APA eine Mitverantwortung an den Mängeln ab. Das Konradinum falle als landeseigene Einrichtung alleine in den Kompetenzbereich von Stöckl, teilte eine Sprecherin mit. Für die Umsetzung und Erbringung der Leistungen im Heim sei ausschließlich die Abteilung Gesundheit zuständig. Einzig die Finanzierung des Konradinums über die Tagsätze sei bisher über die Sozialabteilung gelaufen. "Eine gesetzlich verankerte Fachaufsicht für Menschen mit Behinderung wird erst mit Novelle des Salzburger Behindertengesetzes eingeführt." Dieses befinde sich seit derzeit in der Begutachtungsphase.

Reinhard Klaushofer vom Österreichischen Institut für Menschenrechte (ÖIM), der Ende Oktober mit einer Kommission der Volksanwaltschaft das Konradinum besucht hat, sagte zur APA, dass ein Neubau alleine die strukturellen Probleme im Heim nicht löse. "Zwei Jahre lang wurde etwa keine Supervision für Mitarbeiter angeboten." Es gebe auch kein Personal mit Ausbildung zur Gewaltprävention. Zugleich habe sich eine heilpädagogische Mitarbeiterin monatelang im Krankenstand befunden und sei lange nicht nachbesetzt worden.

"Jedes vernünftige bauliche und fachliche Konzept ist zu begrüßen", sagte auch Bewohnervertreter Erich Wahl vom Verein "VertretungsNetz" am Dienstag zur APA. "Dass neu gebaut wird, ändert aber nichts daran, dass dort Menschen wohnen, denen gerade jetzt die adäquate Betreuung fehlt." Man könne nicht sagen, wir handeln erst, wenn in zwei Jahren das neue Haus steht. "Jede Woche ohne entsprechende Förderung und heilpädagogische Maßnahmen ist verlorene Zeit für die Entwicklungsperspektiven dieser Menschen."

apa.at

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