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APA-Artikel 15. Februar 2016

Zivilprozess nach misslungener OP an Mädchen in Innsbrucker Klinik

Im Zivilprozess im Fall eines nach einer misslungenen Leistenbruchoperation im Jänner 2008 an der Innsbrucker Klinik schwerstbehinderten Mädchens haben sich am Montag am Landesgericht die Streitparteien erneut zu einer Verhandlung zusammengefunden. Ein erstes Zwischenurteil war bereits 2014 gefallen. Dem Kind waren damals 50.000 Euro zugesprochen worden.

"Die Eltern haben bisher 120.000 Euro von den 'tirol kliniken' erhalten", sagte Thomas Juen, Rechtsanwalt der Familie, vor dem Prozess im Gespräch mit der APA. Nun müsse noch über die Höhe des von den 'tirol kliniken' zu bezahlenden Betrags verhandelt werden. "Ich rechne damit, dass dem Mädchen ein hoher sechsstelliger Eurobetrag zugesprochen wird", so Juen. Ein Ende des Prozesses war vorerst ungewiss. "Vielleicht brauchen wir noch ein kinderpsychiatrisches Gutachten", meinte der Rechtsanwalt.

Die Mutter der zum Zeitpunkt des Eingriffes erst sechs Wochen alten Nadina war am Montag erneut einvernommen worden. Sie berichtete, dass ihre Tochter nach wie vor täglich Krampfanfälle habe. Außerdem habe das Mädchen seit der Operation eine schwere Sehstörung und man müsse ständig auf sie aufpassen, damit sie sich nicht verletze. "Nadina ist zu 100 Prozent geistig und körperlich behindert", sagte die Mutter.

Der Strafprozess gegen den behandelnden Anästhesisten war im März des vergangenen Jahres nicht rechtskräftig mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Die Anklage hatte dem Mediziner fahrlässige Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vorgeworfen. Es gebe keine objektiven Beweise für ein sorgfaltswidriges Verhalten des Angeklagten, hatte der Richter in seiner Urteilsbegründung gemeint. Mehrere Mediziner waren in ihren Gutachten davon ausgegangen, dass das Verhalten der Ärzte auf der Kinderintensivstation, auf die das Mädchen verlegt worden war, grob fahrlässig gewesen sei. Deshalb sei die Differenzierung, wo und wann die Schäden des Kindes aufgetreten seien, nicht mehr möglich, so der Richter.

Die kleine Nadina war am 4. Jänner 2008 im Alter von sechs Wochen am Landeskrankenhaus Innsbruck operiert worden. Bei der Behandlung kam es zu Komplikationen, die mit einem massiven Gehirnschaden des Kindes endeten. Im Zivilprozess ergeht das Urteil schriftlich an die Parteien.

apa.at

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