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APA-Artikel 11. Februar 2016

Österreichische Experten beklagen Mängel bei Krankenhaushygiene

Ein Drittel der Fälle von Krankenhausinfektionen könnte "leicht", ein weiteres Drittel mit etwas Aufwand verhindert werden. Doch in Österreich fehlt es durch den Föderalismus an bundesweit bindenden Maßnahmen - und an deren flächendeckenden Umsetzung sowie an der Kontrolle, erklärten am Donnerstag Experten bei einem Mediengespräch der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH).

Als "lachhaft" und "kabaretthaft" bezeichnete der Präsident der Gesellschaft Ojan Assadian in vielen Belangen die Situation in Österreich in der Prävention der sogenannten nosokomialen Infektionen, welche sich Spitalspatienten zusätzlich zu ihrem Grundleiden in den Kliniken zuziehen. Er nannte ein Beispiel: "Ein Drittel der Bevölkerung hat das Bakterium Staphylococcus aureus in der Nase. Wer operiert wird, hat das Sieben- bis 20-Fache Risiko für eine Infektion. Mit einer simplen antiseptischen Maßnahme könnten wir das verhindern. Warum machen wir das nicht?" Assadian zitierte den Wiener Medizinpionier Theodor Billroth: "Hygiene ist nicht Alles, aber ohne Hygiene ist alles Nichts."

In Europa kommt es pro Jahr zu rund 3,2 Millionen Krankenhausinfektionen. Etwa jeder 20. Spitalspatient ist von einer solchen potenziell lebensgefährlichen Komplikation betroffen. NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger sagte: "Hygienemängel im Krankenhaus ignorieren, das ist die falsche Strategie. 37.000 Menschen in der EU sterben direkt an nosokomialen Infektionen. Umgelegt auf Österreich sind das rund 2.400 Todesfälle."

Er, Bachinger, sehe häufig, dass bei Beschwerdefällen wegen solcher Erkrankungen haftungsrechtlich kaum etwas übrig bleibe. Im Dickicht zwischen Krankenhausbetreibern und hoch komplexen Arbeitsabläufen in modernen Kliniken könne man nur schwer einen Nachweis von Verschulden erbringen. Unverständlich seien Zahlen, wonach "30 bis 40 Prozent des Personals nicht die erforderliche Händedesinfektion durchführen".

Verschuldensnachweis allein kommt aber in jeden Fall zu spät. Prävention wäre wichtiger. Ursula Frohner, Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes, kritisierte in diesem Zusammenhang seit Jahren evidente Versäumnisse in der Ausbildung. Hier würde seit 2008 die Ausbildung zum gehobenen Dienst im Spital nicht flächendeckend ausgerollt. "Wir brauchen aber gut ausgebildete Pflegekräfte und speziell gut ausgebildete Kräfte im Hygienebereich." Ein Manko, wie Ursula Frohner betonte: "Die Ärzteausbildung ist Bundessache, die Pflege ist Ländersache."

Bachinger und Assadian belegten ihre Kritik auch mit einem im vergangenen Juni von der Gesundheitsreform-Zielsteuerung durch ein hochrangiges Expertengremium vorgelegten "Qualitätsstandard Organisation und Strategie der Krankenhaushygiene". Statt verbindliche und zu überprüfende Regelungen zu verordnen, handle es sich bloß um Empfehlungen, welche die Bundesländer in ihren Spitälern mehr oder weniger umsetzen könnten.

Krankenhaushygiene sei nie endende Teamarbeit, betonte Gerlinde Angerler von der ÖGKH. Sie ist Spezialistin im Orthopädischen Spital Speising in Wien. Es gehe um Finanzierung, Personalressourcen, die Sicherstellung von regelmäßigen Kursen und ein über Berufsgruppen hinweg funktionierendes Kontrollsystem. "Hygiene wird nicht ernst genommen." Die regelmäßige Durchführung von Reanimationstrainings werde überprüft, Maßnahmen zu Spitalshygiene kaum.

Hinzu kommt, dass offenbar das Melde- und Qualitätssicherungssystem für Krankenhausinfektionen in Österreich unterentwickelt und intransparent ist. Assadian verwies auf die Schweiz, wo die Patienten unter www.spitalfinder.ch ganz einfach die Qualitätssituation (auch in Bezug auf Infektionen) der Krankenhäuser abrufen könnten. "Bei uns sind die Daten alle sehr in der 'Diaspora' verstreut. (...) Österreich liebt das Mittelmaß. Wir liegen in der Komfortzone. Jeder sagt: 'Passt eh'."

apa.at

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